2026-04-20: Ablöseprozesse, Abends Leichtigkeit

Nacht

Unruhige Nacht. Erst kann ich nicht Einschlafen, dann schrecke ich immer wieder hoch. Immerhin schützen mich die Ohrenstöpsel vor Geräuschen und ich habe ein paar Stunden tiefen, erholsamen Schlaf. Ich stehe auch um vier Uhr morgens auf.

Kraftfutter heute mit Erdbeeren und einem kleinen Schuss Süßstoff.

Gewicht

Krass: Mein Gewicht ist in zwei Tagen um fünf Kilogramm nach oben geschnellt! Das ist ein Rekord. Ich bleibe aber ruhig und werde wieder ganz normal essen. Dann pendelt sich das über die Woche wieder ein.

Innere Prozesse

Ich löse mich weiter ab. Heute morgen spüre ich eine innere Gegenbewegung, aber die Freude über die neu gewonnene Unabhängigkeit überwiegt. Auch an dieser Baustelle will in der aktuellen Woche weiter gearbeitet werden.

Heute bin ich überraschend früh am Bahnhof, weil ich die morgendliche Meditation vergessen habe. Das ist ein klares Zeichen dafür, dass ich nicht ganz bei mir bin. Noch unterwegs fange ich mich langsam ein, richte den Geist sanft auf meine Umgebung, auf mich und auf mein eigenes Leben.

Morgenspaziergang

Zwischen Hauptbahnhof und Worringer Platz rennt ein junger Mann. Erst denke ich, dass er einen Bus kriegen will. Dann denke ich, dass er vor jemandem weg rennt. Erst als er auf einmal kehrt macht und wieder zurück hetzt, weiß ich, dass er vor etwas wegläuft, was nur er sehen kann.

Überhaupt sind wieder mehr Menschen hier unterwegs, die verwirrt sind. Vielleicht, weil es jetzt früher hell wird? Sind das schon die ersten Morgenmenschen oder doch noch Gestrandete, die man jetzt einfach besser sehen kann?

Mittagspausenversteck

Es könnte sein, dass ich es gefunden habe: Das (fast) perfekte Versteck für die Mittagspause. Es ist am Hafen und bis auf ein paar Zigarettenstummel und eine verrottende Monatsbinde habe ich hier keine Gesellschaft. Ich kann auch einem alten Holzboot beim Vergehen zusehen.

Leider habe ich, bedingt durch An- und Abmarsch, hier nur wenig Zeit. Dennoch freue ich mich über die ruhigen Minuten, die ich mit Schreiben oder Träumen zubringen kann. Ich kann sogar die Kopfhörer abnehmen!

Ablösung

Wenn man sich von einem Menschen löst, dann fühlt sich das so an, wie wenn man ganz langsam ein Pflaster abzieht: Erst ist der Schmerz furchtbar, aber je mehr man geschafft hat, desto größer ist die Erleichterung.

Der Stuhl

Ich habe mal vor einiger Zeit einen Spezialstuhl für sehr große und vor allen Dingen sehr breite Menschen bekommen. Nun bin ich ja seit ungefähr einem Jahr nicht mehr ganz so breit und sitze auf diesem Bürostuhl wie ein kleines Kind. Heute habe ich dann einen normalen Bürostuhl bekommen (gebraucht, aber kaum benutzt) und jetzt sitzt es sich doch angenehmer im Dienst.

Bärenklau

An den Rändern, an den Wegen, auf den Flächen, an den Strecken – überall wächst der Bärenklau saftig und frisch.

Er will uns alle töten.

Traurigkeit

Am Nachmittag dann wieder diese Traurigkeit. Kraftlose Resignation. Die Zeit dehnt sich. Ich schaue aus dem Fenster und nichts erlöst mich.

Eigentlich müsste ich mich mal langsam um die Veranstaltung mit den jungen, externen Menschen im Laufe dieser Woche kümmern, aber ich kann meine Gedanken nicht mehr fokussieren. Es fühlt sich an, als wäre mein Gehirn aus Gelee.

Dabei fing der Tag beim Spaziergang so gut an: Die Musik bespielte den Sonnenaufgang und die Welt war mal wieder besonders deutlich. Alle Kanten waren scharf, aber auch klar. Ich sah den Weg vor mir. Aber Freiheit kommt nun mal mit Trauer.

Alles im grünen Bereich

Dazu irgendwie passend unpassend sind meine Erfahrungen mit meiner einstudierten Antwort auf die Frage „Wie geht es Dir?“. Da weiß ich ja nie, was ich antworten soll. Wenn ich „gut“ antworte, dann scheint das vielen Leuten nicht auszureichen, aber eine ehrliche Zustandsbeschreibung will dann auch wieder keiner. Nach einigem Überlegen und Ausprobieren bin ich jetzt bei „Alles im grünen Bereich!“ angekommen. Das ist meistens sogar richtig, denn im roten Bereich bin ich dann ja wohl doch eher selten. „Grüner Bereich“ klingt beruhigend und sicher. Gleichzeitig muss ich nicht sagen, wie es mir geht.

Zum Feierabend die Leichtigkeit

Feierabend. Ich laufe wieder ein Stück weit den Rhein hinunter. Am Ufer haben sie diese Klappstühle aufgebaut. Dort sitzen ein paar Unverzagte. Die Sonne lugt hinter Wolken hervor, die Temperatur ist mit Mühe zweistellig. Doch die Unverzagten haben sich Decken um die schmalen Schultern gelegt und wenn sie an ihrem Aperol (keine Eiswürfel notwendig, nein danke) nippten, bekommen ihre Mundwinkel einen bitteren Zug.

Ich schaue auf und sehe Möwen. Da hebt sich die Seele ein wenig. Am „Fischmarkt“ genannten Rummelplatz sehe ich im Glashäuschen an der Kinderachterbahn eine Frau mit derart gelangweiltem Gesichtsausdruck, dass ich laut lachen muss.

An der Fortuna-Bude besetzt jeder Mann genau 1 Stehtisch. Auf jedem Stehtisch genau 1 Bier. Jeder Mann schweift um seinen Stehtisch herum, um sein 1 Bier.

Bevor der Bierdurst mich übermannt, gehe ich schnell weiter. In der Höhe der Hochschule sieht jeder Mensch plötzlich anders aus. Da sind junge und alte, dicke und dünne. Manch einer lächelt sogar.

Die Seele lernt fliegen.

Umstieg auf Grav

Ich schaffe es, via SFTPGo von außen an den Grav-Ordner zu kommen, wo zukünftig die Blogeinträge als Markdown-Dateien liegen. Das klappt total gut, auch wenn ich die unbestimmte Sorge habe, dass ich eine Schneise zum gut gesicherten Cloudron-Container schlage.

Jetzt kann ich meine Artikel wie gewohnt in Ulysses schreiben und durch die YAML-Angaben im Kopf der Datei schon mal vordatieren. Danach exportiere ich den Eintrag dann als Markdown-Datei auf den Server (eigentlich auf einen lokalen Ordner, der dann von SecureShellfish – toller Name für eine App! – hochgeladen wird).

Wenn alles klappt, passiert der Umstieg am kommenden Montag, also dann, wenn die lieben Lesefröschlein diesen Artikel hier lesen können.

(Kleiner Gruß aus der Zukunft: Hat nicht geklappt!)

Das alte Blog lasse ich noch ein wenig stehen. Später werde ich es in statisches HTML umwandeln und auf einem anderen Server archivieren. Erst habe ich überlegt, ob ich die Einträge irgendwie konvertieren soll, aber bei mir sind das dermaßen viele, dass ich dazu keine Lust habe. Es geht ja nichts verloren …

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