Nacht
Sehr gute, ruhige Nacht. Ich versinke in Erschöpfung. Es ist unglaublich still wegen der dicken Stadtmauernwände. Träume sind bunt. Sie kommen und gehen. Trotz der Stille wache ich ungefähr jede Stunde auf.
Morgen
Schlaf bis zum Weckerklingeln um sechs Uhr. Körperlich bin ich noch ein wenig zertreten, aber die Stimmung ist gut. Ordentlicher Frühstückshunger.
Frühstück
Der Frühstückssaal ist im Keller, was sich wesentlich schlimmer anhört als es ist. Nachdem meine Zimmernummer abgefragt wurde, soll ich sagen, ob ich Rühr- oder Spiegeleier haben möchte. Damit hatte ich nicht gerechnet. Aber ich bin wie immer total auf Zack und sage wie ein Herr: „Zwei Spiegeleier, bitte.“
Am Tisch lese ich auf einem Schildchen, dass ich auch Schinken, Speck und Baked Beans dazu bekommen kann. Es gibt auch verhältnismäßig große Müsli-Schalen und frischen Obstsalat. Ich bin im Frühstückshimmel!
Morgenspaziergang
Ich lustwandele durch das morgendliche Weiden. Die Stadt verströmt um diese frühe Uhrzeit eine geradezu überwältigende Heimeligkeit.
Bankpause im Max-Reger-Park. Max Reger war ein in Weiden weltberühmter Komponist.
Mir begegnen erstaunlich viele Gruppen von Erwachsenen geführter Jugendlicher. Sie sehen aber nicht nach Wandertag aus. Da muss ich AR nachher mal fragen.
Stadtmuseum, Tachauer Heimatstube
Ich schaue mir das Stadtmuseum Weiden an. Als ich mich anmelden will, stehe ich fast im Büro eines städtischen Mitarbeiters. Er ist sehr freundlich und freut sich offensichtlich über das Interesse an seiner Heimatstadt. Die Dauerausstellung ist eher für Führungen gedacht, es wird wenig erklärt. Vieles kann ich mir aber erschließen. Besonders fasziniert mich, dass hier erst Tonwaren hergestellt wurden und man dann später auf Porzellan und Glas gewechselt ist. Wenn man mir vor zwanzig Jahren mal gesagt hätte, dass ich mir mit Interesse alte Teller angucken würde, hätte ich im wohl einen Vogel gezeigt.
Nach der Daueraustellung sehe ich mir noch die Tachauer Heimatstube an. Tachau ist eine Stadt in Tschechien, ungefähr 40 Kilometer von Weiden entfernt. Als nach dem zweiten Weltkrieg die Deutschen aus Tschechien vertrieben wurden, sind viele von den Tachauern nach Weiden gekommen. Sie haben ihre ganz eigene Kultur mitgebracht.
Die Ausstellung ist gut gemacht. Hier gibt es Videos, Audiobeispiele, Puppen mit der alten Tracht usw. Die Dialektik der Geschichte wird mal wieder deutlich: Erst die sudetendeutschen Stadtpolizisten, welche mit Hakenkreuzbinde die Wehrmacht begrüßen, später dann spezielle Essensmarken der neuen tschechischen Regierung nur für Deutsche. Man orientierte sich bei der Behandlung der Deutschen an deren Behandlung der Juden.
Ein Mann, der zum Zeitpunkt der Flucht noch ein kleines Kind war, sagt in einem Video, dass er ohne die Vertreibung nicht hätte aufs Gymnasium gehen können. Ohne die Vertreibung wäre sein Leben nicht so gut verlaufen. Das ist auch die Dialektik der Geschichte.
Ich habe die ganze Zeit das Dorf Tachau im Kopf, dass es in KCD2 gibt. Im Museum bekomme ich nicht heraus, ob es sich um das Tachau hier um die Ecke handelt. Ein späterer Blick auf die Karte klärt auf: Es gibt zwei Tachaus (Tachov)! Eines ist eine Stadt nahe der deutsch-tschechischen Grenze, dann gibt es noch ein Tachau (Tachov), dass ein kleines Dorf ist — ungefähr so klein wie im Jahr 1403.
Kirche St. Joseph
Draußen treffe ich zufällig auf eine Freund von AR. Sie erzählt mir von einem Besuch in der Kirche St. Joseph. Dort seien Fresken mit apokalyptischen Szenen zu sehen. Apokalypse? Da bin ich doch sofort dabei!
Als ich die Kirche betreten (welche übrigens angenehm kühl ist), bin ich geflasht: Die Fresken sind in einer Art Barock-Jugenstil gehalten. So etwas habe ich noch nicht gesehen (allerdings habe ich ja sonst auch noch nicht viel gesehen).
Ich mache ein paar Fotos, setze mich aber dann auf eine Bank und staune. Die Bilder wirken unglaublich stark auf mich. Als ich die Gefahr spüre, dass mir die Mutter Gottes erscheint (das kann ich jetzt überhaupt nicht gebrauchen!), stehe ich auf und gehe.
Hier ein Einschub vom Zukunfts-Kiesel. Zitat von der Gemeinde-Webseite:
Dem Gegensatz zwischen der neuromanischen Architektur und der Jugendstilausstattung verdankt die Josefskirche ihre eigenartige Faszination. Jeder Besucher empfindet bei Betreten der Kirche die geheimnisvolle Atmosphäre und die sakrale Würde des Raumes, die zur inneren Ruhe einladen und das Ewige erahnen lassen.
Die Sonne brennt noch immer erbarmungslos. Ich laufe ein Stück durch die Gassen an der Innenseite der Stadtmauer. Hier es angenehm. Doch der Durst treibt mich in eine Schänke. Weil doch Urlaub ist, trinke ich eine ganze große Apfelsaftschorle, danach noch ordentlich Wasser. Dazu schreibe ich ein paar Postkarten. Die Erschöpfung ist groß. Zurück im Hotelzimmer ziehe ich die Texte vom Zerowriter auf das iPad. Das Display scheint wirklich kaputt zu sein und ich sattele jetzt auf die Kombination iPad mit magischer Tastatur, iPad mit Apple Pen und Notizbuch um. Daheim liegt ja zum Glück noch der Freewrite Alpha.
Abend
Nach einer ausgiebigen Dusche setze ich mich auf die angenehm temperierte Dachterrasse, schreibe ein paar Zeilen und lese noch ein wenig.
Dann geht es früh ins Bett. Für morgen werde ich Kraft brauchen.
Warnungen

PS: Wenn Ihr Euch mal so richtig gruseln wollt, dann googlet den Typen mal.
Zerowriter Display
Das Display des Zerowriter spinnt wieder herum. Diesmal bleibt die eine Hälfte des E-Ink-Displays verzerrt.
Da muss ich wohl doch mal Adam, dem Erfinder des Geräts, eine E-Mail schreiben. Derweil überbrücke ich mit den Apple Pen und dem iPad. Seitdem ich mich an die Schrifterkennung gewöhnt und außerdem gelernt habe, dass man falsch erkannte Wörter einfach antippen kann und dann meist das richtige zur Auswahl angezeigt wird, klappt das mit dem Schreiben richtig gut. Vor allen Dingen mit der Groß- und Kleinschreibung habe ich ja gehadert.