2026-05-10: Tanzbär

Nacht, Tauschtraum

Ganz gute Nacht. Mir träumt, dass zwei Menschen, die in meinem Leben eine wichtige Rolle spielen, miteinander zu einer Person verschmelzen. Ich wundere mich im Gespräch mit ihr über die Widersprüche, die das erzeugt, bin aber immerhin zur Hälfte froh über das Ergebnis der Unterhaltung.

Morgen

Der Wecker weckt um sechs Uhr, ich bleibe aber noch bis halb acht Uhr liegen. Nach dem Frühstück (Kraftfutter mit den restlichen Erdbeeren) mache ich erst einmal einen Spaziergang durch den Stadtwald. Gegen neun Uhr sind schon einige Leute im Stadtwald unterwegs. Die meisten von ihnen mit ihren Hunden, einige wenige mit ihren Kindern.

Am Waldschreibtisch blogge ich ein wenig und trinke mitgebrachten Kaffee. Dabei denke ich nach über die Erwartungen anderer Menschen an mich und daran, was ich eigentlich selber für mich will. In der letzten Zeit sind unabhängig voneinander gute Freunde von mir krank geworden (zum Glück noch nichts Schlimmes, auch wenn es zum Teil bedrohlich klang). Wieviel Zeit mir wohl noch bleibt? 10 Jahre? 20 Jahre? Vielleicht 30? In Anbetracht dessen, was ich in der Vergangenheit meinem Körper so angetan habe, tippe ich mal so auf einen Zeitraum von rund 20 Jahren, die mir mit etwas Glück noch auf diesem Erdenrund verbleiben.

Der Tanzbär

Was will ich mit der Zeit noch machen? Einfach so weiter krabbeln und die Tage in Besprechungen und mit Ablenkungen verdaddeln? Einfach weiter die Erwartungen anderer Menschen erfüllen und den lustigen Tanzbären spielen?

Wisst Ihr eigentlich, wie man Tanzbären dressiert? Man stellt sie als Jungtier immer wieder auf ein glühend heißes Rost. Die Tiere versuchen dann, das heiße Metall möglichst wenig zu berühren und irgendwann stellen sie sich auf die Hinterbeine und heben abwechseln die Tatzen. Sie “tanzen“. Währenddessen spielt man immer die selbe lustige Melodie. Später wird der traumatisierte Bär jedes Mal, wenn das Lied erklingt gemäß dem Pawlow´schen Gesetz auf die Hinterläufe steigen und “tanzen“.

Ich will kein Tanzbär mehr sein.

Mittag, Schreiben

Wieder daheim, mache ich einen Gemüseauflauf mit Falafel-Bällchen, Sellerie, Porree, Tortellini, noch etwas TK-Dönerfleisch und verschiedenen Dingen, die mal weg müssen (Dinge, die „mal weg müssen“ sind bedeutende Antreiber meiner Kulinarik). Während der Auflauf im Ofen ist, arbeite ich am Roman weiter. Es geht schon langsam besser. Hilfreich ist dabei – neben dem Verzicht auf Psychopharmaka – eine gewisse Lockerheit. Ich gehe gerade nicht so verbissen an die Überarbeitung, sondern lese erst einmal in Ruhe die Anmerkungen der Lektorin durch. Dann gehe ich über meinen eigenen Text und überlege, ebenfalls ganz in Ruhe, wie ich am besten vorgehen sollte: Einzelne Sätze umformulieren oder lieber einen ganzen Absatz neu schreiben? In der Regel entscheide ich mich dafür, ganze Absätze neu zu schreiben. Wenn etwas aus der alten Version weiterhin funktioniert, übernehme ich es natürlich.

Ich lerne zur Zeit auch, dass ich immer wieder Pause machen muss. Wenn ich emotional in eine Szene hineingehe und daraus dann Sätze entstehen, so strengt mich das wie so vieles andere im Moment auch, sehr an.

Wenn ich aber in kleinen Etappen arbeite und mich dazwischen z. B. bei einem kleinen Spaziergang entspanne, dann kann ich wieder Kraft schöpfen und gleichzeitig gedanklich in der Geschichte bleiben.

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