Nacht
Ganz gute Nacht. Die Unterbrechungen des Schlafs lassen nach. Ich bin allerdings auch ziemlich kaputt in die Federn gesunken.
Traum von der FAZ
Mir träumt, ich würde die FAZ lesen. Da heute der Tag der Befreiung des KZ Auschwitz ist, ist die Zeitung mehr als doppelt so dick wie sonst. Viele der Artikel sind aus Gründen der Pietät schwarz umrandet. Die beste Ex-Frau von allen will auch Zeitung lesen, aber das Exemplar fällt in seine Einzelteile. Es sind einfach zu viele Seiten!
Neben der Zeitung liegt noch ein kleiner Haufen aus Ladekabeln und Netzteilen. Ich lege noch mein eigenes Ladekabel dazu und führe einen Ladekabeltanz auf. Die beste Ex-Frau von allen ist nicht begeistert.
Morgen
Ich stehe um sechs Uhr auf. Ins Kraftfutter kommen heute frische Erdbeeren. Trockenfrüchte sind gerade in der Küche nicht verfügbar und ich muss bald mal eine Expedition in den Vorratskeller starten, um eine neue Tüte heraufzuholen.
Nach dem Frühstück setze ich mich noch für zehn Minuten in den Schwingsessel und ruhe mich aus. Gestern sind durch den Abendspaziergang noch insgesamt mehr als 30.000 Schritte zusammengekommen.
Auf nach Moers!
Frisch geduscht, mit leichtem Herzen und schwerem Gepäck (Mettwurst!) laufe ich zum Bahnhof. Spontan nehme ich den Bus zum “Königlichen Hof“, denn das erscheint meiner Laune angemessen. Großäugig wie ein Kind schaue ich mir die Stadt an, die der Bus durchquert. Es gibt noch so viele Ecken in Duisburg, die ich nach all den Jahren noch immer nicht kenne!
Die Sonne am Himmel läuft sich schon mal warm.
Am “Königlichen Hof“ schlafen noch ein paar Busse, genau wie das Pärchen auf der Bank im Wartehäuschen. Sie hat ihren blondierten Kopf in seinen Schoß gelegt. Vor ihnen steht eine leere große Flasche Jägermeister.
Da ich noch Zeit habe, bis der Hosendealer seine Pforten öffnet, trinke ich bei tchibo noch eine Tasse (recht wohlschmeckenden) Filterkaffee und blogge ein wenig. Das Personal hier hat ganz gut zu tun. Sollte ich irgendwann doch mal auf Erbschleicher umzuschulen, dann wird neben Vorträgen der VHS wohl Tchibo mein zweites Jagdrevier.
Hosenkauf
Ich betrete das Bekleidungskaufhaus um zehn Uhr und zwanzig Minuten später verlasse ich es mit zwei neuen Hosen im Rucksack. Das hat mal wieder gut geklappt.
Die Parkwurst verlege ich in die Regionalbahn, denn ich hoffe, rechtzeitig wieder in Duisburg zu sein, um die Switche per der Post abzuholen. Ich hätte große Lust, sie heute schon einzubauen.
Die Wurst und das Bier schmecken gut, allerdings bin ich mal wieder so abgelenkt, dass ich ein wenig zu hastig esse.
An den Halten “Rumeln“ und “Trompet“ freue ich mich wie ein Kind über die schönen Namen.
Unruhe, Essen, Meditation
Innere Unruhe macht sich breit. Ich esse zwei Teilchen vom Bio-Supermarkt. Das ist natürlich ein Fehler, denn der Zucker feuert die Unruhe nur noch an. Ich trinke Kaffee und versuche, mich mit dem Schauen von Videos abzulenken. Immerhin ist die aktuelle Folge von “Falsch aber lustig“ wirklich urkomisch.
Ich bekomme Hunger und esse ein Glas Bratröllchen (mein Notfall-Essen). Das macht mich satt und bringt mich wieder zu mir. Auf dem Balkon mache ich meine Tagesmeditation und diese bringt mich auf die richtige Idee: Meine Beine wollen wieder laufen. Auch wenn ich die Kalorien von heute nicht “weg-rennen“ kann, so wird es mir helfen, wenigstens einen Teil des Zuckers in Bewegung umsetze. Auch ist doch Samstag und die Sonne scheint ganz herrlich. Soll ich den Tag lustlos vor dem Rechner verschwenden oder unkoordiniert irgendwelche nur vordergründig nützlichen Dinge zu tun (übrigens habe ich einen ganzen Sack Kleinkram ganz nebenbei erledigt und das überhaupt nicht mitbekommen)?
Nachmittagsspaziergang
Ich beschließe eine kleine Wanderung durch Duissern bis zur Karl-Lehr-Brücke. Die sollte doch letztens verschoben werden. Wenn das bereits geschehen ist, kann ich sie überqueren und durch Ruhrort laufen. Von dort stünde mir dann die 901 zur direkten Rückfahrt Hause, der alte Schienenbus nach Meiderich oder ein schöner Gang über den Pontwert offen. Ohne Brücke bliebe mir noch der Weg durch die Stadt.
Während ich vor der Aakerfährbrücke auf einer Bank sitze und diese Zeilen tippe, freue ich mich an den vielen Möglichkeiten. Es ist Wochenende und ich habe Zeit. Ich bin niemandem Rechenschaft schuldig, ich muss nicht nach der Aufmerksamkeit von jemandem gieren!
Karl-Lehr-Brücke
Es dauert eine ganze Weile, bis ich zur Karl-Lehr-Brücke gelange. Sie ist noch gesperrt und überall sind Bauzäune. Mehr oder weniger geschickt suche ich mir einen Weg durch ihre Lücken hindurch, bis ich zum Netto (“DANN GEH DOCH ZU …“ – Ihr wisst schon) gelange. Hier kaufe ich Wasser und zu meiner nicht geringen Überraschung eine kleine Tüte Ofenchips.
Ich folge einem Weg durch einen Grünstreifen, der von Autos umbraust wird. Hier sitzt ein alter, dünner Mann auf einer Parkbank. Neben sich hat er eine Einkaufstüte gestellt. In den Händen hält er eine halb leere Plastikflasche Bier und einen Zettel. Seine Augen stieren ohne Halt geradeaus.
Auf einer Bank in der Nähe esse ich die Ofenchips. Der Zucker heute hat mein Gehirn in den Fressmodus versetzt. Die Chips (“60% weniger Fettt!“) schmecken gar nicht mal so schlecht.
Eigentlich möchte ich jetzt Richtung Neuenkamp laufen, aber auch hier versperren mir Bauzäune den Weg. Die Welt ist voller Bauzäune!
Also gehe ich nun durch Kaßlerfeld und die Innenstadt zurück nach Neudorf. Bei einer Eisdiele kaufe ich noch ein Eis mit drei Bällchen: “Snickers“, “Dubai“ und “Amarena“. Dummerweise kaufe ich es im Hörnchen, weil ich Eis immer im Hörnchen kaufe, weil ich auch als Kind schon immer Eis im Hörnchen bekommen habe. Meine mit klebrigem Zucker bedeckten Hände und den Mund reinige ich mit den feuchten Desinfektionstüchern, die ich in meiner Tasche dabei habe. Immerhin schmeckt das Eis ziemlich gut, besonders das Amarena-Eis.
Daheim strecke ich die Beine aus und höre noch ein Kapitel von “Die schwarze Rose“ zu Ende. Dann gehe ich erschlagen ins Bett.
Lernerlebnis des Tages: Ich muss wirklich vermeiden, Zucker zu konsumieren!
Switche später, Freewriter down
Ich schaffe es noch rechtzeitig zur kleinen Postfiliale (die machen samstags um 14 Uhr zu), doch mein Kleinpaket ist noch nicht dort angekommen. Samstags kämen die Fahrer nicht rein und die Post habe die Info noch nicht aktualisiert, so der junge Mann hinter dem Tresen. Ihm ist die Sache sichtlich peinlich, aber ich winke ab. Ein wenig enttäuscht bin ich trotzdem.
Daheim will ich den Freewriter Alpha noch mal wieder nutzen (mit der Tastatur komme ich gut zurecht), aber der Sync-Service „Postbox“ von Freewriter liefert einen Error 1027 (Cloudflare). Das klingt nicht gerade vertrauenserweckend und ich fühle mich darin bestätigt, mit dem Zerowriter auf ein komplett freies Gerät gewechselt zu haben.