2026-05-28: Waldbüro

Nacht

Ganz gute Nacht. Erst vergesse ich die Ohrenstöpsel in die Ohren zu stecken, aber dann werde ich jedes Mal, wenn ich in den Schlaf abzugleiten beginne, von Gequake geweckt. Als stopfe ich mir grummelnd die Friedensbringer in die Gehörgänge anstatt mich an den Mast binden zu lassen.

Die Träume sind irgendwie wild und bunt, aber leider komme ich am folgenden Morgen irgendwie nicht früh genug zum Schreiben und dann sind sie schon wieder verschwunden.

Morgen, RDR2

Ich stehe gegen sechs Uhr auf, obwohl ich seit ungefähr vier Uhr morgens schon wach bin. Beim Urlaubs-Antreiber meint aber, ich solle doch noch liegen bleiben, weil ich doch Urlaub habe!

Der Tag beginnt einigermaßen ruhig mit Kraftfutter (Erdbeeren und Apfel), dem Aufhängen von Wäsche und ein wenig Red Dead Redemption 2. Mir ist letztens aufgefallen, dass ich in dem Spiel eine bestimmte Waffe noch nicht ausprobiert habe. Die Spielwelt ist jetzt mehr oder weniger leer gespielt und die Leere dort bringt mich in melancholische Stimmung.

Waldspaziergang

Nachdem ich beim Brötchenkauf meinen Therapeuten getroffen habe (seltsame Situation), mache ich einen Waldspaziergang. Im Gepäck ist der Alpha, das aktuelle Lesebuch („Reisen im Mittelalter“), Kaffee und Wasser. Mit im Rucksack ist auch die neue doppelwandige Edelstahl-Outdoor-Tasse im hochwertigen Look dabei, denn man möchte ja schon was darstellen, wenn man so im Waldbüro sitzt („Sie haben einen Termin?“).

Ich kann es kaum fassen, dass ich jetzt vier Tage ohne jeglichen Termin, ohne jegliche Verpflichtungen vor mir habe!

Waldbüro
Waldbüro

Waldesruh

Im Waldbüro komme ich lesend langsam zur Ruhe. Die Beschreibung der Reisenden im Mittelalter und die vielen Tipps, die sie mit auf den Weg bekommen haben („Wenn die Luft heiß oder übelriechend ist, sollte der Reisende an Kampfer, Rosen oder Veilchen riechen, bei sehr heißem Wetter an Moschus oder Wildem Salbei oder Harz vom Wald-Geißbart oder Kamille, an Lorbeerblättern oder Majoran. Wo es schlechten Atem oder Körpergeruch gibt, sollten sich Reisende die Nase zuhalten.“) bringt mich immer wieder zum Lachen. Faszinierend finde ich, dass man jahrhundertelang den legendären Priesterkönig Johannes in Äthiopien vermutete, obwohl es ihn ja nie gegeben hat. Man hat einfach die tatsächlich dort lebenden äthiopischen Kaiser (mit denen das „Abendland“ ja Kontakt hatte!) zum Priesterkönig erklärt. Sogar Europäer, die mehrere Jahre in Äthiopien gelebt haben, meinten im Reich des sagenhaften Priesterkönigs zu sein, obwohl sie das ganz offensichtlich nicht waren.

Ich sitze also im Wald („Ich glaub‘ ich sitz‘ im Wald!“) und lese. Dabei trinke ich Kaffee. Ab und an lache ich laut auf. Irgendwo sägen Sägen. Sie klingend fordernd und frech. Die Vögelchen stört das nicht. Sie piepsen einfach cool weiter. Die Sonne hat noch nicht ihren Zenit erreicht. Bald will ich aber aufbrechen, denn mich fröstelt und der Mittagshunger winkt mir schon vom weitem zu.

Urlaubstag

Einkauf im Getränkemarkt (Wasser). Mittagessen: Überbackene Käsebrötchen mit Alaska-Seelachs-Schnetzeln und gekochtem Ei (Fisch und Ei mussten mal weg). Zum Nachtisch zwei Salzbrezeln mit dem Rest Schoko-Nuss-Creme. Damit habe ich keinen Süßkram mehr im Haus. Wenn ich jetzt noch mal den Trissel nach Zucker kriege, mische ich einen Fruchtjoghurt.

Ein schöner Mittagsschlaf im Schwingsessel. Immer wieder Ausruhen. Zwischendurch schaue ich eine Episode der von mir sehr geschätzten Sendung „Stimmt es, dass …?“, welche ich mir mit MediathekView herunterlade.

Spaziergang durch den Botanischen Garten und den Kaiserberg. Auf einer Bank schreibe ich diese Zeilen. Lesen. Ruhe. Erholung.

Lektoratsgedanken

Ich hatte mich ja letztens ein wenig über meine Lektorin geärgert, weil sie ganz offensichtlich nur oberflächlich über ein Kapitel gelesen hat. Außerdem scheint sie persönlich zu sehr in das Thema des Buches involviert zu sein. Ich hadere mit der Frage, ob ich die Zusammenarbeit nicht besser beenden sollte. In diesem Fall würde ich wahrscheinlich das Buch alleine weiter bearbeiten und damit in Kauf nehmen, dass dann Perspektiv-Fehler und ein paar Logiklöcher im Text verbleiben. Vielleicht suche ich mich noch jemanden für ein Korrektorat (ich mache ja eine Menge Kommafehler, wie die aufmerksamen Lesefröschlein ja wissen).

Insekten

Es heißt ja immer, dass früher mehr tote Mücken auf den Windschutzscheiben geklebt haben als heute. Das kann ich bestätigen. Die Viecher sind nämlich jetzt alle bei mir.

Schreibgeräte

Das Tippen auf dem Alpha macht ja durchaus Freude, jedoch ist der Einsatz von Freewrite „Einfach Schreiben und bloß nicht editieren“ zwar in der Theorie ganz nett, für mich in der Praxis aber blöd. Wenn ich einen Satz beende und bemerke, dass ich ganz am Anfang etwas umstellen muss, dann erledige ich das lieber direkt als dass ich es vergesse und später nach dem Übertragen auf den Rechner übersehe. Dafür ist das (im Vergleich zum LCD des Alpha) relativ große E-Ink-Display des Zero besser geeignet. Ausserdem hat der Zero einen Editiermodus. Auch merke ich erst jetzt, wie sehr ich es zu schätzen gelernt habe, einfach die SD-Karte in den Rechner zu schieben und die Textdateien zu übertragen oder die Texte auch mal via QR-Code auf das iPhone zu bekommen, anstatt die krumpelige Webseite von Freewrite zu nutzen oder die Textdateien per E-Mail zu versenden. Mir macht der Vergleich der verschiedenen Ansätze Freude.

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