Nacht
Der Schlaf im Hotelbett ist tief und relativ ruhig. Die Ohrenstöpsel filtern das Gebölke, welches vom Bahnhofsvorplatz herauf schallt, gekonnt aus.
Traum vom Notfall
Mir träumt, es gibt einen familiären Notfall. Der Neffe T. (im Traum noch ein kleines Kind) habe einen psychiatrischen Zusammenbruch, heißt es. Die Schwiegermutter selig habe das gemeldet, sagt man. Wir wollen alle schnell los zum Krankenhaus. Die beste Ex-Frau von allen vergisst vor Aufregung beinahe ihr Smartphone. Mein Vater lotst die Familie zum Auto, doch wird sind für den Wagen viel zu viele. Also will ich auch meinen Wagen nehmen. Mein Vater fragt mich, ob ich den Weg weiß und ich zucke mit den Schultern. Draußen vor der Tür stelle ich fest, dass mein Auto nicht mehr an seinem Platz steht! Mein Bruder rennt los, um die Sache zu untersuchen, denn er geht von einem Diebstahl aus. Doch er kommt überhaupt nicht bis zum Parkplatz, denn seine alten Freunde „Porky“ und „Schlempe“ tauchen auf. Die Wiedersehensfreude ist so gigantisch, dass mein Bruder sich ihr kaum entziehen kann. Überall tauchen feiernde Menschen auf. Sie lachen und tanzen. Mein Bruder rollt sich zusammen mit Porky über den Boden. Eine der Cheerleaderinnen, die nun die Puschel kreisen lassen, erkenne ich von früher. Sie ist älter geworden, sieht aber noch immer phantastisch aus.
Vergeblich fingere ich in meiner Hosentasche nach dem Autoschlüssel. Solte ich ihn vielleicht versehentlich im Zündschloss stecken gelassen und den Diebstahll damit erst ausgelöst haben?
Es wird berichtet, dass der kleine T. panische Angst vor Comicfiguren hat, die er sich selber ausgedacht hat. Einer von ihnen heißt „Fairy American“ und beim Klang des Namens gruselt es mich auch.
Morgen
Ich werde um halb sechs Uhr vom Handywecker geweckt. Die Stimmung ist. Die Abwechslung und vor allen Dingen die Gesellschaft des Thronfolgers gestern haben mir sehr gut getan.
Das Wort des Morgens lautet:
„Wuddelmuddelpopp“
Ich mache mir zwei Espressi mit der Bialetti Eletrika und freue mich über den heißen Lebenssaft.
FrühstückDas Frühstück ist ebenso
einfach wie der Rest der Unterkunft und damit für mich hinreichend. Für mich müssen keine Wachteleier live pochiert werden, damit ich gut in den Tag starten kann.
Eine der Zugehfrauen des Frühstücksraumes spricht mich auf englisch auf meinen Zerowriter Ink an. Ich kann einigermaßen erzählen, was das für ein Gerät ist und sie findet ihn toll. Ich finde ihn auch toll und ich finde es toll, dass sie ihn toll findet und ehrlich gesagt finde ich sie auch ein bisschen toll.
Der Kaffee ist toll. Alles ist toll.
Kartentricks
Natürlich hat das Hotelzimmer so einen Steckplatz, wo man die Türkarte einstecken muss, damit im Raum die Lichter angehen. Da ich meine Schlüsselkarte aber lieber „am Mann“ bei mir trage, dient dort eine alte Karte von einem Hotel in Villach als Ersatz. Dieser Trick ist eigentlich sattsam bekannt, aber ich freue mich trotzdem jedes Mal, wenn ich ihn anwenden kann. Ich fühle mich dann immer sehr weltmännisch.
Die Steckdosen funktionieren übrigens auch ohne Karte, weswegen man in Abwesenheit auch ohne Kartentricks Geräte aufladen kann.
Rossmanie
Mir fehlt Zahnpasta und ich gehe schnell zum Hauptbahnhof rüber, weil dort ein Rossmann seine Waren feilbietet. Es ist kurz vor acht Uhr und der Laden hat noch nicht geöffnet. Konsumwillige wie ich und Du warten teils geduldig, teils mächtig hibbelig auf Einlass. Einige Herren in abgerissener Kleidung tragen volle Plastiktüten mit sich. Als sich die Türen des Rossmann öffnen, gehen sie als erstes hinein. Eine der Kassen ist extra für die Rückgabe von Einweg-Pfandflaschen reserviert. Man geht sehr professionell mit der Situation um, das Ritual wirkt eingespielt. Der Rossmann gibt, der Rossmann nimmt.
Heimfahrt
Ich gehe beim Frühstück wohl ein wenig zu zügig ans Werk, denn ich checke recht früh aus und gehe zum Bahnhof rüber. Zum Glück wird der RE9 erst in Bremen eingesetzt und ich kann mir in Ruhe einen Platz aussuchen. Bis der Zug abfährt, verblogge ich den gestrigen Tag. Die Fahrt wird planmäßig 3:19 Stunden dauern mit einem Umstieg in Osnabrück. Ich bin gespannt und gelassen zugleich.
Der Zug gleitet über die rapsgelbe Ebene. Das Ende der ersten Etappe nähert sich. Im Ohr ambiente Musik, auf der Zunge noch das Salz des Frühstückseis. Gerne würde ich jetzt Wasser trinken, aber habe wie so häufig auf Zugfahrten Toilettenangst. Eine Spätfolge von damals viel zu viel genossenem Bier in den Zügen des deutschen Regionalverkehrs.
Die Zugbegleiterin im RE9 ist ein regelrechter Sonnenschein und alle Löwen im Zug verwandeln sich ihrem Licht in zarte Lämmchen. Alles schnurrt und gurrt und denkt sich nichts dabei.
Der Umstieg in Osnabrück wird professionell abgewickelt. Die Studienorte des Thronfolgers haben für mich bisher gemeinsam, dass ich auf meinen Reisen zu ihm hin und von ihm weg häufig von Endhalt zu Endhalt fahre. Die Folge davon sind lange Zeiten des Ausharrens aber auch des Zurücklehnens.
Gerne würde ich die Stelle des Stadtpoeten in Kattenvenne antreten. Leider sind hier sämtliche Endreime auf ¨Henne¨ verboten, weswegen ich leider von diesem freundlichen Ort Abstand halten muss.
Heimkehrung
Daheim angekommen erfasst mich ein furchtbarer Hunger. Ich werfe die Reisetasche in eine Ecke und gehe zum Hähnchenking auf einen Hähnchen-King mit Pommes Spezial. Zum Nachtisch dann einen Nougatcremering und ein Stück von diesem luftigen Kuchen mit karamellisierten Walnüssen oben drauf.
Suppenkoma im Schwingsessel. Ich schlafe sofort ein und träume davon, dass ich auf die Toilette muss. Erst als auch dem Klo sitze, merke ich, dass da wohl jemand duscht und dass Wasser über genau den Fußboden fließt, auf dem auch meine Füße stehen. Es wässert sich nämlich gerade die beste Ex-Frau von allen von oben herab. Warum sie das in meiner Wohnung tut und warum meine Wohnung so aussieht, wie sie aussieht (ich habe eigentlich keine Dusche, sondern nur eine Wanne). Den Rest des Traumes vergesse ich.
Eigentlich will ich nicht mehr raus, aber dann ist die neue Tasche in der Packstation, da kann ich natürlich nicht widerstehen. Sie ist größer als gedacht, aber sie trägt nicht so auf (Link ist keine Werbung. Ich bestelle beim Taschenkaufhaus nur ganz gerne). Meine Geräte und mein Kram finden in ihr gut Platz. Vielleicht werde ich zukünftig wieder mehr den kleineren Lederrucksack anstatt des großen Vaude-Rucksacks benutzen.
Zerowriter Ink-Erfahrungen
Man merkt schon an dieser oder jener Ecke den Eigenbau-Charakter des Geräts. Wenn man z. B. eine gerade geöffnete Datei im Dateimanager mit einem Ausrufezeichen markiert („flag“), dann wird eine neue, zusätzliche Datei geschrieben. Fast so wie eine Versionierung.
Positiv überascht bin ich vom „Drafting-Mode“. Hier sind die Bearbeitungsmöglichkeiten (z. B. Navigation im Text) stark eingeschränkt, dafür klebt der Cursor beim Schreiben immer am unteren Ende des Displays. Im „Standard-Mode“ wandert der Cursor beim Schreiben von oben nach unten und hüpft dannn wieder oben auf eine neue Seite. Das ergibt Sinn, denn wenn man einen Text überarbeiten will, dann sollten sich die Zeilen nicht andauernd verschieben.
Balkon
Die Luft wird drückend, die innere Unruhe steigt. Meine tägliche Meditation macht mir bewusst, dass ich mich besser nicht ablenken (Zocken, Videos gucken), sondern lieber was für die Rübe tun sollte.
Also setze ich mich mit einem guten iPad … ähm … Buch auf den Balkon und sehe Mauersegler über den Himmel flitzen. Oder Schwalben. Meine Augen sind zu schlecht, um den Unterschied zu erkennen.
Ruthenische Kugeldistel

Diese Kugeldisteln wachsen in meinen Balkonkästen und werden gerne von Hummeln angeflogen.
Atlantisches Hasenglöckchen
Seit dem letzten Besuch bei meinen Eltern sehe ich überall das Atlantische Hasenglöckchen blühen. Gerne hätte ich eines für meine Balkonkästen. Vielleicht kann ich mir beim nächsten Besuch in der alten Heimat mal ein paar Zwiebeln aus ihrem Garten ausgraben.