2026-05-24: Pfingstochsentour Bremen Tag 2

Nacht

Sehr gute Nacht. Die Ohrenstöpsel filtern das Gebölke vom Bahnhofsvorplatz aus. Gegen vier Uhr morgens singt und klatscht eine Gruppe.

Traum vom Active Directory

Wirre Träume. Es geht irgendwie darum, dass die IT im Active Directory für den Ministerpräsidenten Szenarien nachbaut. Eigentlich wäre das ein Job für die Bibliothek, aber irgendwer ist da vorgeprescht. Wir helfen dem armen Kollegen, der das ausbaden muss. Irgendwann kommt man auf den Trichter, dass man aus den Strukturen im AD irgendwelche geheimen Dinge ablesen könnte.

Morgen

Der Wecker weckt um halb sechs Uhr morgens. Der Geist ist frisch und klar, der Körper hätte noch einige Stunden mehr Schonung vertragen. Aber wir sind ja auf Urlaub und nicht auf Arbeit, also heißt es: Ran an den Feind.

Ich trinke einen Espresso aus der Elektrika und blogge, während über dem Bremer Hauptbahnhof die Sonne aufgeht.

Hotelfrühstück

Das Frühstück baut langsam ab. Es gibt beim Müsli keine Nussmischung und auch keine Körner mehr. Die Nuss-Nougat-Creme kommt nicht mehr aus einem edlen Spender, sondern an seiner statt findet der unterzuckerte Frühstückswillige nur ein Glas billige Ja!-Creme mit einem Löffel darin vor.

Für meinen nächsten Aufenthalt in Bremen will ich mal nach einem anderen Hotel in der Nähe spähen.

Morgenrunde

Am Morgen ist der Bremer Marktplatz leer. Man kann die Stadtmusikanten fotografieren, ohne dass sich plötzlich ein Nilpferd unter die Gruppe mischt.

Wir trinken Kaffee bei „Ma“ an der Schlachte. Toller Blick über die Weser. Der Espresso schmeckt sehr gut. Die Alexander von Humboldt, die hier vor Anker liegt, lässt den Geist verreisen in einem Meer aus Industriebier.

Haben die Menschen früher eigentlich auch schon gerne am Wasser gesessen?

Wir laufen weiter. Die Gegend um die Weserburg ist lauschig. Es gibt viel Kunst und alles ist mit einer winzigen Prise Gegenkultur gewürzt.

Dann warten wir auf den Ausflugsdampfer. Eine Joggergruppe taumelt vorbei, angeführt von einer Frau, die geradezu ausgebacken aussieht.

Hafenrundfahrt

D. und ich suchen uns die langweiligen Plätze vorne im Bug aus. Die fröhliche Kinder- und Familienschar stürmt lachend nach oben und lässt uns mit einem ältlichen Ehepaar und deren uralten Eltern alleine. Die Alten bestellen Bier und Barcadi-Cola, denn es ist ja schon elf Uhr am Vormittag. Die langweiligen Plätze sind super.

Die Rundfahrt kommt ohne Seemannsgarn aus. Der Skipper berichtet sachlich und freundlich. Nicht so exorbitant alert wie damals der Bursche in Hamburg („MOIN! MOIN! Rechts sehen wir ein Krieggschiff der Bundesmarine! Das hat 500 tausend Millionen Euro gekostet – da muss ne alte Frau lange für stricken! Höhö!“).

Im Neustädter Hafen sehen wir massig Bauteile für Windkraftanlagen. Das ist beeindruckend.

Beim Verreisen wird man immer auf sich selber zurückgeworfen. Deswegen verreise ich ja meist lieber alleine, denn ich bin eigentlich immer die ganze Zeit damit beschäftigt, nicht aus dem Moment zu fliehen und da fällt es mir schwer, mich auch jemand anderen einzulassen. Es ist für mich eine beständige arbeit, den Augenblick wahrzunehmen und zu genießen.

Kurz vor Ende der Rundfahrt setzt uns das Schicksal eine Familie mit einem Kleinkind hinter uns, damit wir auch auf jeden Fall wertschätzen, was uns auf der Fahrt bisher erspart geblieben ist.

Werde sehr müde. Darf nicht vergessen, dass ich noch nicht meine ganze Kraft wiedererlangt habe.

Hafenmuseum

Am Anlege holt uns der Thronfolger ab und wir laufen die Weser runter bis in die Überseestadt. Hier ist alles neu, aber nicht so steril wie in der HafenCity in Hamburg.

Auf dem Weg scherzt D. noch, dass wir uns hoffentlich nicht umsonst zum Museum begeben, weil es heute vielleicht Ruhetag habe. Ruhetag ist nicht, dafür Familientag. Hüpfburg-Tätä auf dem Platz vor Haus, museales Sackkarrenrennen. Immerhin ist heute der Eintritt frei.

Vor dem Besuch der Ausstellung gehen wir im angeschlossenen Restaurant essen. Das Essen ist preislich gehoben, aber sehr lecker.

Das Personal ist freundlich. Man bekommt für das Schließfach einfach einen Schlüssel ausgehändigt.

Die Ausstellung gefällt mir ganz gut. Zum Glück sind die meisten Kinder draußen auf der Hüpfburg und singen gemeinsam mit der Piratenband schlagerartige Stimmungslieder.

Wir tauchen hinab in die alte Hafenwelt. Ich lerne erst jetzt, was der Beruf des Tallymanns war und ich habe jetzt wieder mal einen auskömmlichen Ohrwurm (Wikipedia-Eintrag zum Lied).

Es gibt auch tolle Gegenstände, welche Bremer (vor allen Dingen ehemalige Seeleute und Hafenarbeiter) für die Ausstellung aus ihren Kellern geholt haben: Hier die Sacknadel eines Tallymanns, mit der er die Frachtsäcke nach der Kontrolle wieder zugenäht hat. Dort eine Art Nagel, mit der Lagerarbeiter heimlich Weinfässer angestoßen haben, um Wein abzuzapfen. Danach hat man das Loch mit einem Holzstäbchen verschlossen. Ging ein Fass mal kaputt, so konnte es sein, dass es von „innen aussah wie ein Igel“.

Die Sonderausstellung „Wir sind der Fluss“ über die Weser würde mit ihren Hörsstationen (man stellt sich einfach unter einen Lautsprecher) gut gefallen, wenn die Wiedergabe ein wenig lauter wäre oder wenn keine Kinder im Raum herumquaken würden. Es gibt Menschen, die träumen davon, mal eine Nacht in einem Einkaufszentrum eingeschlossen zu werden, um mal einige Stunden ganz in Ruhe shoppen zu können. Bei mir wäre es ein schönes Museum, auch wenn ich dann immer Kaugummi bei mir haben müsste.

Schlachte

Nach der Ausstellung laufen wir wieder zurück an die Weser. Dabei machen wir immer Pausen wegen der alten Leute in der Gruppe (damit meine ich D. und mich, denn der Thronfolger ist ja noch ein junges Fröschlein). Heute ist es wenigstens nicht ganz so warm wie gestern.

Abend

An der Schlachte ergattern wir einen Platz im Biergarten vom „Känguru Island“. Obwohl ich nur Wasser trinke, fühle ich mich von der Atmosphäre beschwipst.

Danach geht es ins Hotel. D. und ich sind sehr erschöpft.

Im Zimmer springe ich nur noch unter die Dusche und lege mich sofort ins Bett.

1 Kommentar

  1. Ich kann noch eine Bremer Hotelempfehlung von Madame weitergeben, und weil ich faul bin, einfach aus dem Blog kopiert: „Sie schwärmt seitdem vom Hotel gegenüber vom Bahnhof.Nur am Namen sollte das Hotel noch arbeiten: Plaza Premium Columbus Hotel Bremen. Meine Güte.“

    Sie hat wirklich sehr geschwärmt.

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