Nacht
Mein Schlaf ist extrem leicht und obwohl es bei D. sehr ruhig ist, schrecke ich immer wieder hoch (warum habe ich die Ohrenstöpsel sind rein gemacht, ich Depp?). Seltsame, schwere Träume, die mir die Luft abdrehen. In den frühen Morgenstunden dann mehr Ruhe.
Morgen
Wir stehen um viertel vor sechs Uhr auf. Es gibt Kaffee, dann machen wir uns auf den Weg nach Münster. Immerhin klappt die Fahrt gut. Am dortigen Hauptbahnhof frühstücken wir wie zwei erfahrene Reisende am Bahnsteig gekaufte Brötchen. Dazu Kaffee. Die Cafés waren übrigens alle voll.
Auf einem Bahnsteig lehnt ein Besoffener an einem Stahlträger. Er versucht, seine Bierflasche auf den Boden zu stellen, aber er ist so voll, dass sie immer kippelt. Dann nimmt er sich hoch und streicht über den Flaschenboden. Er denkt wohl, dass da was Störendes klebt. Dann versucht er wieder, die Flasche hinzustellen. Sie kippelt wieder. Er streicht über den Boden usw. usf.
Freibadstimmung im Hauptbahnhof. Kinderlachen. Der Geruch von Sonnenmilch.
Fahrt nach Bremen
Unser ICE hat nur eine geringfügige Verspätung.
Wir sind eingekeilt. Einerseits von einer leicht angealterten Mädelstruppe auf großer Fahrt mit Piccolo, Dosenbier und Aperol Spritz. Um halb zehn Uhr morgens fliegen die Tassen schon hoch. Brunhilda Granata steht auf und holt Biernachschub im Bordbistro.
Es geht „auffe AIDA“.
Auf der anderen Seite blockiert uns eine Gruppe Renterpärchen, die sich wie ein Schimmelteppich im Waggon ausgebreitet. Sie kommentieren alles, alles, aber auch wirklich alles was sie sehen in ihrem breiten, rheinischen Singsang. Auch sie trinken Sekt und Bier. Dazu fressen sie nahezu ununterbrochen aus mitgebrachten Tupperpötten. Bis Hamburg dürfen die Kauleisten niemals stillstehen!
Leider hat die Realität keine Schlagseite.
Bremen „hot“
Die Sonne brennt. Scheiß auf die Frisur! Wir schieben unsere Rollowampen durch das Viertel. Knoblauch und Salz machen Sahara mit den Schleimhäuten. Das Weserstadion liegt da wie ein Marmorkuchen im Ofen. Auf der Weser spielt ein Drachenboot die Galeere der Liebe.
Schnoor-Viertel. Eng und voll, genau wie die Gassen. Es riecht durchdringend nach Fisch, Nivea und alten Leuten.
Mir erscheint Jesus als Graffito an der Wand. Er sieht umwerfend aus und endlich beginnt die Realität, sich zu neigen.
Frieden finden im Bürgerpark
Wir spazieren durch den Bürgerpark. D. muss immer wieder Pausen machen. Die Sonne ist noch kraftvoll, auch wenn der Nachmittag sich neigt. Bleiche Waden röten sich. Wir sitzen auf einer Bank, D. raucht. Hellgrün die Wiese, dunkelgrün das Wasser. Zwei Ruderboote eumeln vorbei. In einem sitzen vier junge, bikinierte Frauen und ein unvorstellbar dämlich grinsender junger Mann. Eine Weinflasche geht rum. Die Mädels sind angeschickert und unglaublich hübsch anzusehen. Ich denke, ich weiß, warum der Typ so grinst.
Abend
Im Hotel kleine Duschüberschwemmung. Ich überspiele sie gekonnt und zum Glück habe ich ja zwei Badetücher.
In diesem Hotelzimmern gibt es ja nahezu keine Ablageflächen, aber genug Haken, damit der Postwestfalen wohl zufrieden wäre.
Paulaner Spezi Zero
Kurzer Einkauf im bahnhofsnahen Rewe-Markt. Hole mir spontan eine gekühlte Flasche Paulaner Spezi Zero und trinke sie genüsslich auf dem Hotelzimmer. Schmeckt sehr gut, denn das Orangenaroma überdeckt den Geschmack der künstlichen Süße geschickt.

Ja, der Postwestfale wäre zufrieden.
Vielen Dank für die Karte!
Da nich für! 🙂