2026-10-11: Sonntag
Mülheim, Besuch
Nacht
Da in der Nachbarschaft mal wieder tüchtig gefeiert wird (ich lebe anscheinend neben sehr glücklichen Menschen), bin ich Ohrenstöpsel-diszipliniert. Nachts nehme ich die Stöpsel dann raus, nur um zu hören, dass die Bumse des Nachbarn über mir wieder da ist. Da will ich doch nicht teilnahmslos weiter schlafen und höre erst mal genau hin, wie es um die körperliche Beziehung dieser mir wenigstens räumlich so nahen Menschen bestellt ist. Dem Gequietsche ihrer Matratze nach läuft die körperliche Ebene ihrer Beziehung wie geschmiert. Allerdings würde ich an des Nachbarn Stelle mal den Neukauf des Lattenrosts in Betracht ziehen. In den Bumspausen versinke ich immer wieder in den Schlaf, nur um dann bei der nächsten Knatterrunde wieder aufzuwachen. In der Dunkelheit dirigiere ich mit beiden Händen das Kammerkonzert des Stöhnen. Ich freue mich für die beiden, dass sie ihre Ausdauer offensichtlich behalten haben.
Traum von den Aufführungen
Mir träumt, dass ich gleichzeitig auf der Arbeit und in der Schule bin. In der kleinen Pause möchte ich Schulfreund KTG erzählen, wie die Staatskanzlei mal für eine groß angelegte Fortbildungsveranstaltung Unmengen Wurst gekauft hat, diese Veranstaltung dann aber wegen des Irankriegs abgesagt werden musste. Wir haben dann auf der Arbeit so viel von der Wurst aufgegessen, wie es uns nur möglich war.
Für die Vorlesung möchte ich unbedingt neben der Frau sitzen, an die ich mein Herz verloren habe, aber da sitzt natürlich schon jemand. Ich brauche lange, um einen Platz zu finden. In der Pause erfahre ich, dass ich in einem Theaterstück mitspielen soll. Da ich auch im Theaterverein bald wieder auf die Bühne soll und außerdem Prüfungen anstehen, sehe ich stressigen Zeiten entgegen.
Morgen
Morgens bin ich ein wenig zermatscht und bleibe bis acht Uhr liegen. Zum Frühstück gibt es Kraftfutter mit ordentlich Weintrauben. Dann ruhe ich noch ein wenig im Schwingsessel wie ein alter Mann. Die beste Ex-Frau von allen meldet sich, denn es ist heute Echsentag. Wegen Streckensperrungen und Schienenersatzverkehr verwerfen wir unseren ursprünglichen Plan eines Besuch des Museums Küppersmühle und wollen uns stattdessen in Mülheim treffen. So soll es geschehen. Schnell habe ich mich geschminkt und den Pelzmantel aus dem Schrank geholt (biedes natürlich nur metaphorisch) und laufe zum Hauptbahnhof, nur um von dort wieder mit der 901 zurück zu fahren. Der lange Weg ist manchmal der Kürzere, denn es fahren gerade keine passenden Züge.
Mülheim
Natürlich bin ich mal wieder viel zu früh in Mülheim. Um den hiesigen Hauptbahnhof ist nicht viel los. Ich nutze die Zeit dazu, die Gegend zu erkunden und um Ideen für die geplante Mittagsspeisung zu sammeln. Es sammelt sich gut.
Die Sonne kommt raus und ich setze mich auf eine Bank gegenüber dem Bahnhof. Dazu trinke ich mitgebrachten Kaffee.
Die beste Ex-Frau und ich brauchen ein wenig, bis wir uns finden, denn der Bahnhof wird gerade umgebaut.
So klumpig die Gegend um den Bahnhof ist, so schön ist es an der Ruhr. Hier essen wir im “König-Wirtshaus“. Ich muss wohl doch ein wenig hungrig sein, denn ich bestelle mir eine bayerische Wurstplatte und esse sie auch komplett auf. Danach rollen wir über Broich und Speldorf nach Duisburg.
Wir besuchen einen Verwandten auf der Demenzstation. Er freut sich sehr, uns zu sehen. Im Aufenthaltsraum sitzen ein paar traurige Tröpfchen herum.
Nach dem Besuch bringe ich die beste Ex-Frau von allen zum Zug, dann laufe ich von Meiderich aus zurück nach Neudorf. Daheim angekommen habe ich über 30.000 Schritte auf der Uhr.
Nach einer Dusche und dem Zähneputzen geht es direkt ins Bett.