2026-10-01: Donnerstag
Regen?
Nacht
Mittelordentliche Nacht. Wieder wecken mich meine Wunden mehrfach auf.
Traum von Bayern
Mir träumt, ich bin auf Dienstreise im Süden der Republik unterwegs, irgendwo in Bayern. Am Abend möchten wir noch irgendwo was trinken gehen und irgendwer beschließt, dass wir in der Gaststätte des Hotels noch einkehren wollen. Hier ist es allerdings unglaublich voll. Wir werden wohl nur einen Stehplatz bekommen. Als ich mich zwischen zwei Stuhlrücken hindurch zwänge, stupse ich ein Kinderstühlchen mit einem kleinem Kind darin an und der Vater bölkt herum. Ich bleibe erstaunlich cool und gehe zu einem freien Platz, wo sich unsere Gruppe langsam sammelt. Zwei von uns gehen wortlos fort, weil es ihnen zu voll hier ist. Ich ärgere mich ein wenig darüber, dass sie sich nicht von uns verabschieden.
Morgen
Ich wache gegen viertel nach vier Uhr auf, bleibe bis zum Weckerklingeln um halb fünf Uhr liegen. Meine Aufwachzeit verschiebt sich langsam aber sicher nach hinten, was ich gut finde.
Zum Frühstück Kraftfutter mit Apfel und Himbeeren.
Gewicht
Der Trend der Gewichtszunahme scheint wieder umgekehrt: Heute zeigt die Waage 105 kg an. Noch verliere ich offensichtlich viel Glykogen und damit Wasser, da der gemessene “Muskelanteil“ sinkt. Da aber auch Körperfett abgebaut wird, ist das in Ordnung.
Stimmung ganz in Ordnung, einigermaßen stabil. Eine persönliche Nachricht hellt das Herz auf.
Regen
Als ich in Düsseldorf ankomme, regnet es. Tatsächlich! Dieses nasse, durchsichtige Zeug fällt vom Himmel! Ich bin des Regens so entwöhnt, dass ich noch nicht einmal meine Softshell-Jacke im Rucksack dabei habe. Also nehme ich heute mal die Straßenbahn zur Dienststelle und komme ungewöhnlich früh an. Ein kleiner Teil meines Verstandes möchte sich darüber ärgern, dass ich nicht schon vor Dienstbeginn mit dem Schrittziel heute fertig sein werde, aber die 1,5 Stunden, die ich früher anfange, kann ich ja später mal abbummeln, wenn es trockener ist. Laut DWD-App soll es heute stramm durchnieseln.
Vor dem Nordeingang haben sich ein paar Kranke versammelt. Einer hockt vor einer improvisierten Schüssel und drückt und zieht an einer Spritze. Alle anderen gehen schnell weiter.
Die Luft ist dick hier. Die Feuchtigkeit lässt die üblen Stadtgerüche an der Haut kleben.
Müder Mittag
Da es ausdauernd regnet, bleibe ich in der Mittagspause im Büro. Nach dem Essen (Tofu-Bolo von gestern) mache ich meine Meditation und schlafe fast dabei ein. Mir fällt erst beim Meditieren auf, wie sehr ich doch immer innerlich unter Strom stehe. Wenn ich mich dann beim Meditieren beruhige, schlafe ich beinahe ein, so sehr fällt alles von mir ab.
Das zeigt mir, wie erschöpft ich eigentlich bin und wie gut ich das vor mir selber durch (z. T. nur scheinbare) Aktivität verberge.
Die dumme Frage des Tages
Wenn ein geschorenes Schaf Modell steht - ist das dann Aktmalerei?
Drüber
Die Müdigkeit katapultiert mich übers Kuckucksnest. Eltern von kleinen Kindern kennen das, wenn die Racker so müde sind, dass sie durchdrehen. Ich fürchte, ich bin heute so dermaßen albern, dass ich für die Kolleginnen ganz schön anstrengend bin.
Feierabend, Telefonat
Pünktlich Feierabend. Meine Tagesschritte mache ich in Düsseldorf und telefoniere dabei mit Freund O. Angeregter Austausch. In Derendorf fällt mir ein, dass ich ja noch zur Stadtbibliothek am Hauptbahnhof will, um (dienstliche) Bücher abzugeben. Damit ist das Schrittziel sicher. Zum Glück regnet es gerade nicht. Langsam komme ich runter. Ich muss nur einen halbwegs gesunden Mittelweg finden zwischen aufgedreht sein und Kaputtheit (vorher stand hier “totaler Zusammenbruch“, aber das war dann doch maßlos übertrieben).
Mir hilft der Satz aus der Klinik: “Ich habe ein Gefühl, aber ich bin nicht das Gefühl.“ Langsam kann ich Abstand zu meinem eigenen Geist finden. Da bin ich wieder! Huii! Das rauscht aber ordentlich durch die Adern!
Heimfahrt
Am Worringer Platz stinkt es nach Erbrochenem. Rosenduft erwartet hier auch keiner. Die jungen schwarzbärtigen Männer vom Dönerspieß schauen wachsam. Eine dünne, zu früh gealterte Frau zappelt herum, versucht vergeblich, ihre Zigarette in einem Aschenbecher auszudrücken. Ihre Bierflasche hat sie wenigstens neben sich auf den Boden gestellt.
Die Stadtbibliothek ist sehr nahe an Hauptbahnhof und Worringer Platz, weswegen sie von Wachleuten gesichert werden muss. Man lässt sich nichts anmerken. Der Automat verschluckt sich fast an den Büchern, weil ich so hibbelig bin. Ich bin ein Fremdkörper und müsste mich doch anders fühlen.
In der S1 dann ambiente Musik auf den Ohren und der Versuch zu lesen.
Kreativität
Ich starte nebenbei ein kleines kreatives Projekt. Nix dolles und auch nix, was es nicht auch schon woanders gab, aber ich habe einfach Bock darauf.
Noch mag ich nicht berichten, was genau ich da mache, weil ich noch nicht richtig damit begonnen habe. Ich denke, wenn es so weit ist, kann ich es ja nachholen.
Ich gebe zu, dass ich eine diebische Vorfreude verspüre.