2026-10-08: Donnerstag
Übergangsjackenzeit
Nacht
Trotz langer Wachphasen einigermaßen erholsamer Schlaf. Stehe gegen fünf Uhr auf und melde mich gesund. Nun trete ich einen „Urlaubstag“ wegen Therapeutentermin an. Alles ist durcheinander, aber es ist mehr Energie da.
Der Morgenspaziergang ist wegen Dauerregen heute relativ kurz. Es regnet mittelstark, aber ausdauernd. Als hänge ich daheim irgendwie zwischen den Seilen, denn vor einem Termin kann ich irgendwie nicht recht was mit mir und der Welt anfangen. Mein Geist ist so sehr mit dem anstehenden Termin beschäftigt, dass ich kaum loslassen kann.
Linkwarden
Linkwarden geht mir zunehmend auf den Keks. Eigentlich ein cooles Programm, um Links und Seiten zu speichern. Wenn ich interessante Artikel usw. entdecke, dann werfe ich sie dort rein und speichere zusätzlich noch die URL des Quell-Artikels (wegen des Karmas). Linkwarden erzeugt eine (lokale) Lesekopie. Oberfläche, Handhabung und dazu passende Apps gefallen mir relativ gut. Nur läuft Linkwarden auf meinem Cloudron-Server sehr instabil. Immer wieder kommt es zu „Out-of-Memory“-Fehlern. Ich erhöhe das Speicherlimit auf 2,5 GB (!), aber denke, dass die Maßnahme wohl nicht wirklich helfen wird.
Zum Später-Lesen werde ich wohl wieder auf Instapaper umsteigen (meine selbst gehostete Wallabag-Instanz wird von einigen Seiten geblockt) und für die Netzfunde probiere ich einfach mal das „Bookmarks“-Plugin in der Nextcloud aus.
Herbst
Überrascht nehme ich während meines Therapiegesprächs zur Kenntnis, dass ich wohl doch momentan recht glücklich bin - wenn man mal die körperlichen Malessen beiseite lässt. Das ist doch auch mal was!
Außerdem bekomme ich noch einen Tipp für meine Quest, meine Erschöpfung betreffend: Vielleicht leide ich ja unter Schlaf-Apnoe und sollte mich mal um ein Bett in einem Schlaflabor bemühen. Kommt mit auf die Liste.
Einigermaßen beschwingt gehe ich nach Hause. Hier esse ich die Kniften zu Mittag, die ich eigentlich mit auf die Arbeit hätte nehmen wollen. Danach ruhe ich, bis ich bemerke, dass ich gerade nicht körperlich müde, sondern nur kopfmüde bin. Das bedeutet, dass mein Geist einfach mal eine Pause braucht. Also stehe ich wieder auf.
Das Draußen ist jetzt wieder hell, weil die Regenwolken weiter gezogen sind. Das Laub liegt gelb auf der Straße und sieht wundervoll herbstlich aus.
Romanbergwerk
In der Universitätsbibliothek Duisburg funktionieren die Toiletten wieder und so kann ich den freien Nachmittag für die Arbeit am Roman nutzen. Auch wenn ich eine Szene fast komplett umschreiben muss, bin ich über meinen eigenen Text mitunter positiv überrascht. Man vergisst ja doch, was man alles so geschrieben hat.
Eine Pause zwischen zwei Szenen nutze ich für einen (recht guten) Kaffee in der Caféteria. Hier bezahlt man sein Essen und seine Getränke nicht mehr bei einer freundlichen Dame mit so einer lustigen Haube auf dem Kopf, sondern stellt sein Tablett auf so eine Fläche und ein Computer sagt einem, was man sich ausgesucht hat. Bisher hat er übrigens immer richtig geraten. Bezahlt wird mir Karte. Gerne wieder, auch wenn ich die Damen mit der Haube schon ein bisschen vermisse.
Übergangsjackenzeit
Mit dem Regen kommt Kühle. Die Menschen versammeln sich auf den Straßen. Sie klatschen in die Hände und singen zusammen das Übergangsjackenlied.
Kaffee, Gönnung, Termine
Vor dem Therapeutentermin ist noch Zeit für einen Doppio beim Lieblings-Barista. Der schmeckt wunderbar schokoladig (der Kaffee - nicht der Mann an der Dampfmaschine). Jedoch beherrscht mich wieder das Gefühl, dass ich für diese Gönnung jemanden hätte um Erlaubnis fragen müssen. Immerhin weiß ich jemanden, dem ich gleich davon erzählen kann.
Ich mache auch noch einen Termin bei der Hausärztin in der nächsten Woche. Ich darf jetzt nicht nachlassen bei meinem Plan, die Ursache für die Erschöpungszustände zu finden.
Fühle mich gerade seltsam zerknautscht. Könnte vom vielen Herumliegen in der letzten Zeit kommen.
KI-Angst
Irgendein Typ hat gesagt, dass “die KI“ zu 10% bis 2030 die gesamte Menschheit auslöschen wird. Ich halte das für maßlos übertrieben, denn ich denke, dass es nur die halbe Menschheit sein wird - also keine Panik und “Bedenken second“! (Disclaimer: Das ist ein Witz!)
Diese komische Ansage zeigt aber deutlich, wie verzerrt öffentliche “Debatten“ heutzutage sind. Würde es nicht reichen, wenn Schwärme von KI-Agenten das Internet unbenutzbar machen? Oder wenn militärische KI dann doch mal auf Zivilisten schießt? Wäre das “nicht so schlimm“?
Ich sehe den Einsatz von neuronalen Netzen im militärischen Sektor als sehr problematisch an, weil gerade in diesem Moment mehr und mehr Entscheidungen auf sie ausgelagert werden. Der vielbeschworene “Human in die the Loop“ ist nur ein Witz, denn die Prozesse im modernen Gefecht sind derart schnell, dass Menschen die für eine fundierte Entscheidung notwendigen Informationen überhaupt nicht rasch genug verarbeiten können. Im Krieg hat man jedoch nur die Wahl, entweder die “KI“ machen zu lassen oder den Krieg zu verlieren, bzw. zuzulassen, dass russische Drohnen und Raketen in Krankenhäusern einschlagen.
Das Dumme ist: Je weniger Zeit der Mensch hat, desto dümmer sind seine Entscheidungen. Angeblich (die Quellenlage ist dürftig) war die US Navy ja schon kurz davor, ein chinesisches Schiff anzugreifen, weil ein Sprachmodell in einem Report halluziniert ha t, es habe Bauteile für Nuklearwaffen an Bord, die in den Iran geliefert werden sollten. Wenn die Zeit drängt und die Lage unübersichtlich ist, dann auch noch zusätzlich “die KI sagt, dass ein Angriff unmittelbar bevorsteht“, ist vielleicht nicht jeder Mensch so besonnen wie Stanislav Petrow.
Abend
Ich lese eine Runde Manga und bin davon faziniert, wie nahe in der Reihe “One Piece“ Komödie und Tragödie doch sind. Ich beömmele mich erst und eine Seite weiter bin ich gerührt.
Später dödele ich noch nur Night City. Es hat sich noch eine letzte Questreihe vor dem Ende des Spiels aufgetan. Da diese Questreihe um einen alternden Rockstar jedoch auch mit gewissen Wartezeiten verbunden ist, besuche ich noch verschiedene Orte in der Spielwelt, jage Gangs und miete sämtliche möglichen Wohnungen für die Spielfigur an. In den verschiedenen Wohnungen gibt es einige lustige Dinge, welche die Spielfigur machen kann: Gitarre spielen, Kaffee kochen, usw.
Eine leichte Wehmut kommt auf.
Zeitig zu Bett.