2026-08-18: Dienstag
Ausgelaugt
Nacht
Eine Nacht wie ein Bett aus spitzen Kieselsteinen. Dennoch liege ich wie gelähmt in den Kissen.
Traum vom Straßennamen
Mir träumt, ich bin im Urlaub in einer fremden Stadt im Süden von Deutschland. Allerdings ist hier auch das Meer — oder vielleicht ist es ein großer See?
Die beste Ex-Frau von allen lebt hier und sie ist bei einer Kirchengemeinde aktiv. Sie fragt mich, ob ich bei einem Grillfest am späten Nachmittag helfen könnte und ich sage fröhlich zu.
Wie soll ich nun die Zeit bis zum Fest verbringen? Ich könnte mich in den Finkenkrug (der auch in diese Stadt versetzt worden ist) und alkoholfreies Bier trinken. Oder ich könnte mich ausruhen. Weil ich so furchtbar müde bin, rolle ich meine Wolldecke und meinen Schlafsack in einer Nische an der Kirche aus und lege mich für ein Stündchen hin. Später, als ich meine Sachen wieder zusammen räume, kommt ein Obdachloser in die Nische. Er möchte seinen Schlafsack auf meine Wolldecke legen. Als ich ihm freundlich sage, dass das meine Wolldecke sei, entschuldigt er sich höflich. Er hat noch nie in seinem Leben eine Wolldecke gesehen. Ich erkläre ihm, wie wunderbar weich es sich auf ihr liegt. Für einen Moment überlege ich, ob ich ihm die Decke nicht schenken sollte, aber es handelt sich um eine, die mir meine Mama mal gegeben hat und ich hänge sehr daran.
Der Obdachlose und ich unterhalten uns. Er meint, dass ich nicht wie jemand aussehe, der Platte mache und ich sage ihm, dass ich nicht obdachlos sei und hier nur eine Stunde geruht habe. Er erzählt mir, dass er von hier nach Linz weiter wolle. Diese Nische sei ihm empfohlen worden. Er beginnt, eine kleine Lichterkette aufzuhängen und macht es sich richtig gemütlich. Ich hoffe, dass man ihn hier nicht stört. Vermutlich duldet die Kirche hier ab und an einen Obdachlosen.
Als wir uns verabschieden, frage ich ihn nach seinem Vornamen. Er will mir nur seinen Straßennamen sagen und der lautet „Brutzler“. Mir gibt er den Ehren-Straßennamen „Toska“ und auf den bin ich ziemlich stolz, auch wenn Brutzler mich mit ihm wohl auch ein wenig veräppelt.
Gemeinsam mit NT (der schon einige Jahre verstorben ist) fahre ich mit einem autonomen Bus durch die Stadt. Der Bus eckt überall an und fährt sogar durch ein Einkaufszentrum. Schulmädchen hinter uns kreischen. Wir durchfahren ein Schuhgeschäft, in dem nur humanoide Roboter arbeiten. Sie haben keine Köpfe und räumen Schuhe in die Regale. Das ist unheimlich.
Zurück auf dem Marktplatz kommt mir die Idee, dass ich doch auch zum Meer gehen könnte. Doch die Unruhe packt mich. Ich kann die Zeit bis zum Grillfest kaum aushalten, weil ich dann endlich abgelenkt bin. Beim Grillfest werde ich es kaum erwarten können, morgen heimwärts zu fahren. Doch dort werde ich doch auch nur mich selber haben. Mein alter Schmerz kommt ungefiltert hoch und lässt mich wie eine Lohe flackern. Doch ich habe ja Therapie gemacht und weiß, dass ich vor meinem Schmerz nicht davonlaufen kann. Ich muss mich um mich selber kümmern, auch wenn es schwierig ist.
Morgen
Ich schlafe und schlafe und schlafe. Gegen neun Uhr krieche ich aus dem Bett bis zum Schwingsessel, wo ich direkt wieder einschlafe. Ich weiß nicht, was mit mir los ist, woher diese fast schon regelmäßigen physischen Shutdowns kommen. Vielleicht habe ich immer wieder Infektionen, die mich auslaugen? „Ausgelaugt“ ist tatsächlich der richtige Ausdruck. Leer und blass liege ich da wie eine Luftmatratze ohne Luft.
Innerer Krampf
Ich kann nichts tun, aber ich kann auch nicht nichts tun. Das ergibt eine Art Gehirnkrampf.
Zerowriter Display
Das Display ist auf dem Weg zu mir. Es fährt auf dem Ticket "DHL Express", was mich irgendwie erfreut. Weniger, weil ich so ungeduldig bin (bin ich nicht), sondern weil ich gerade bei internationalem Versand gute Erfahrungen mit DHL Express gemacht habe.