2026-08-07: Freitag
Innere Werte
Nacht
Ganz gute Nacht. Die ordentliche Bewegung und die Abkühlung helfen beim Schlaf, auch wenn mich jemand vom Innenhof aus durch das geöffnete Schlafzimmerfenster mit Exetremniesen mehrfach weg.
Traum von der Konferenz
Mir träumt, ich nehme zusammen mit anderen Auszubildenden an einer Konferenz des Bauministeriums teil. Überall sind aufdringliche Werbeplakate mit der Bauministerin darauf zu sehen. Es geht thematisch hauptsächlich darum, dass das Ministerium dafür sorgen will, dass es wieder mehr Handwerker in NRW gibt. Wir schauen ein Werbefilmchen, in dem eine Frau an einem Schreibtisch weinend vor Verzweiflung zusammenbricht, weil sie keinen Handwerker bekommt. Wie eine Superheldin kommt da die Ministerin hereingeschwebt und tröstet die Frau. Es würde schon bald mehr Handwerksmeister geben!
Wir Auszubildenden langweilen uns. Außerdem möchten wir bald weiter fahren. Gemeinsam gehen wir zu unserem Lagerplatz im Wald. Ich beginne schon mal damit, Gepäck in den Bulli zu räumen. Die anderen planschen im Waldbach. Später erzählt mir die beste Ex-Frau von allen, dass wir als Gruppe den Plan für die nächsten Tage geändert hätte. Wir würden schon heute zu meinen Eltern fahren. Ich könnte ja dann im Einangsbereich der Arbeitsstelle meiner Mutter Homeoffice machen und gleichzeitig auf die Kinder aufpassen.
Ich finde es gut, dass wir weggkommen, mache mir aber Sorgen über den Stauraum. Leider bin ich wohl der Einzige, der sich um das Gepäck kümmert. Endlich schließt sich mir eine junge Auszubildende an. Wir überlegen gemeinsam, wie wir das Zelt verstauen können.
Morgen
Der Wecker klingelt um fünf Uhr, ich snooze bis 5:15 Uhr weiter. Dann Kaffee und Kraftfutter mit dem Rest Wassermelone. Das Gewicht ist auf nur noch ganz knapp dreistellig gesunken. Ich will so weitermachen.
Obwohl ich doch noch ordentlich müde und erschöpft bin, mache ich meinen Morgenspaziergang durch den Stadtwald.
Im Waldbüro blogge ich ein bisschen, dazu trinke ich Kaffee.
Nachher muss ich noch mal zum Facharzt und irgendwann ab Mittag soll die Spedition die neuen Balkonmöbel bringen.
Hin und her
Zum Facharzt, aber die Dame am Empfang meint, man wolle doch telefonieren. Man würde sich melden, wenn die Ergebnisse da seien. Ist nicht schlimm, weil ich ja um die Ecke wohne, der Weg also nicht allzu beschwerlich war. Vom Behandlungszimmer aus kann ich ja sogar fast meine Wohnung sehen.
Hui, ist die Todo-Liste voll! Doch die meisten Einträge sind so Haushalts-Kleinigkeiten, die ich ja auch in die Liste schreibe, damit sie mich nicht überfordern und ich vor allen Dingen nicht die Hälfte vergesse und mich dann später über die Berge ungewaschener Wäsche wundere.
Die Kleinigkeiten schrumpfen so weg und ich denke, dass ich mich bald wieder lesend auf den Balkon setzen kann. Vorher lese ich ein wenig im Einsammelbuch. Mittendrin denke ich "Zwiebeln" und schreibe "Zwiebeln" auf die Einkaufsliste. Dann lese ich weiter und denke plötzlich "Frischkäse". Da schreibe ich "Frischkäse" auf die Einkaufsliste. So setzt sich mein Leben zusammen. An wen ich sonst immer mal wieder denke, kann ich hier nicht aufschreiben.
Heute will die Spedition die neuen Balkonmöbel bringen (in meinen Ohren klingt das so, als würde ich demnächst draußen neben einer Schrankwand sitzen). Dann will die Facharztpraxis anrufen. Sofort kommen Gefühle von Angst und Überforderung. Was ist, wenn alles gleichzeitig passiert? Sonst habe ich bis auf mein Schrittziel heute eigentlich nur vor, weiter in Urlaubsstimmung zu bleiben. Das gelingt mir jedoch nur mittelmäßig gut. Ein bisschen lasse ich mich auch ins Dinge-Erledigen hineinfallen. Dabei höre ich die erste Folge von "Inside Palantir". Gefällt mir mal wieder gut. Ich mag die Sachen von "Wild Wild Web". Im Feed gibt es nur erst einmal die eine Episode, bei Sounds könnte ich einfach weiter hören. Mal sehen, wie der Tag so wird.
Innere Werte
Anruf von Facharzt. Auch wenn ich es doch sehr mit der Kultur halte, haben meine Kulturen im Labor noch nichts ergeben. Aber wir könnten noch darauf hoffen (oder uns davor fürchten), dass noch was langsam nachwächst. Im Internet nennt man so etwas ja "The Long Tail". Die Blutwerte sind eindeutig und das Ergebnis übersprudelt mich nicht gerade mit Freude. Alte und tiefe Ängste kriechen hervor, aber der Doc sagt, diese Sache seit "nicht ihr Thema".
Erst einmal gibt es ein Antibiotikum ohne roten Zettel ("Rote Hand"). In der nächsten Woche soll der Wert noch mal kontrolliert werden. Geht er nicht runter, gibt es ein Medikament mit Roth-Händle.
Schnell laufe ich rüber in die Praxis und hole das Rezept ab. Ich löse es auch sofort ein. Dann erst einmal Unruhe. Lenke mich ein wenig mit Computerspielen ab, möchte aber nicht wieder vor dem Rechner abhängen. Große Lust auf Gönnung. Schokolade? Gebäck? Eis? Ich weiß nicht. Erst einma ein wenig Aktivität. Der Tag ist ja noch lang (Zeitpunkt des Aufschreibens: 14:15 Uhr).
Field Writing
Unruhe, Unruhe, Unruhe. Ich esse ein Stück Kuchen, einen Mandeltaler, Erdnusskrokant, Schokolade. Bin einem Rückfall so nahe wie schon lange nicht mehr, obwohl das gerade jetzt besonders absurd wäre, denn die Medikation und mein Infekt würden wohl sicher nicht gut auf den Alkohol ansprechen. Telefonat mit Mutter über dies und das. Das beruhigt. Während des Telefonats packe ich die neuen Möbel aus, montiere die Beine des neuen Tischs. Danach mache ich einen weiten Spaziergang. Langsam geht es besser. Ich höre "Inside Palantir". Das lenkt mich auf eine gute Art und Weise ab. Zweite Tablette für heute.
Ich vermisse den Zerowriter. Am Alpha nervt mich dieser große, rote "On"-Knopf auf der Oberseite, weil der in der Lieblingstasche schon mal ab und an aktiviert wird und dann finde ich auf dem Gerät ein ganze Dokument mit jjjjjjjjjjjjjjjjjjjjjjjjjjjjjjjjjjj vor. Warum nicht einen stabilen Schieberegler an der Vorderseite?
Ungeordnet
Wenn dir das Leben Zitronen gibt, dann frag nach, ob die bio sind.
Russismus