2026-10-23: Freitag
Mit den KI-Agenten nach Bremen
Nacht
Mittelgute Nacht. Träume nicht erinnerlich.
Morgen
Erstes Aufwachen um halb vier Uhr morgens. Dann um vier Uhr. Da ich heute mit der Straßenbahn zur Dienststelle fahren werde, snoooze ich einmal bis fünf Uhr. Oder hätte ich vorher aufstehen und mich vielleicht schon mal an den Rechner hängen sollen?
Frühstück: Kraftfutter mit Apfel. Dazu einen Kaffee. Da die Spülmaschine noch voll ist, spüle ich noch schnell einen Teller und eine Schüssel ab.
Das Draußen nieselt. Ich bin froh um meinen Duffle-Bag, der bequem allen Kram aufnimmt, den ich mit auf die Reise nehmen will.
Ein wenig gruselt mich jetzt schon vor der Fahrt nach Bremen heute, denn wenn alles glatt geht, werde ich um 20:45 Uhr dort ankommen und glatt wird es garantiert nicht gehen.
Arbeitsweg
Der Niesel umfängt mich. Ein Mann vor mir trägt einen wasserdichten Rucksack der selben Firma wie die, welche meinen Duffle-Bag hergestellt hat. Bekomme eine Lust auf einen Rucksackkauf, aber ich wiederstehe, denn ich habe ja erst gerade einen teuren Computer gekauft.
Der Rucksack bleibt vorgemerkt.
Würde Robin Williams noch leben, würde er heute als Kontrolleur mit Pelzkappe in der S1 arbeiten und fröhlich lachen.
Fühle mich im Moment seltsam zeitlos. Vielleicht liegt darin ja auch der Zauber des Moments.
Privates Wissensmanagement
Bisher habe ich “Sollte-ich-mal-behalten-wird-sicher-noch-mal-nützlich”-Wissen einfach ein DevonThink reingeworfen und dessen Suchmaschine hat mir dann die Informationen bei Bedarf wieder rausgefischt.
Nun muss ich dafür etwas anderes suchen. Joplin nutze ich jetzt als Notizen-App (mit eigenem Server), aber für mich sind “Notizen” eher etwas Flüchtiges. Wie halt ein Notizblock, wo man man schnell eine Telefonnummer drauf kritzelt und den Zettel später ins Altpapier wirft.
Für Dokumente nutze ich Paperless und theoretisch könnte ich dort mein Wissen ja auch in (Text-)Dokumente schreiben und dort hochladen, aber das fühlt sich irgendwie falsch an.
Ob ich vielleicht doch noch mal Logseq ausprobiere? Allerdings habe ich mich von dessen “2nd Brain”-Ansatz schon vor längerer Zeit verabschiedet, weil das einfach zu viel Overload verursacht. Mein Anwendungsfall ist eher: “Ah, bei Paperless muss ich in /app/data die Datei xyz löschen” und nicht “ICH SCHREIBE JETZT ALLES AUF WAS ICH WEIß!”.
Oder einfach ein kleines Wiki installieren? Wichtig wäre mir, dass ich in Markdown schreiben kann, denn ich habe keine Lust, mir eine zustätzlich Auszeichnungssprache drauf zu schaffen. Auch möchte ich das Teil via Web befüllen und durchsuchen können. Zusätzliche Clients für iOS/iPadOS/Linux wären willkommen, aber - wenn ich ehrlich bin - nicht kriegsentscheident.
Vielleicht nehme ich auch eine von diesen Notizen-Apps, die Cloudron anbietet - oder ich schreibe den Kram einfach in Text-Dateien und werfe sie in die Nextcloud.
KI-Agenten
Heute verfolge ich einen Vortrag von zwei nicht unsympathischen KI-Agenten-Einsatz-Beratungs-Dudes zum Thema “Sicherer Einsatz von KI-Agenten“ und bin irgendwie fasziniert davon, dass die einem eigentlich nur Binsen der Risikoabschätzung, der Schadenseingrenzung usw. erzählen - nur mit anderen Worten. Streng genommen höre ich nichts Neues, nur hört es sich wahnsinnig professionell an. Die Zuhörenden Leute aus der “Wirtschaft“ würden einem externen Elektriker selbstverständlich niemals einfach so den Schlüssel zum Tresorraum aushändigen - bei KI-Agenten scheint das aber eher normal zu sein, wenn ich den Ausführungen der Dudes Glaben schenken darf. Es gibt auch so wahnsinnig tolle Tipps wie den, dass man entdeckte, nicht genehmigte “Schatten-Agenten“ doch besser abschalten solle. Ach, was!? Ich dachte bisher, dass man auch bei Computerviren immer erst den Urheber um Erlaubnis fragen muss, bevor man sie löscht!
Wenn das alles so stimmt, was man da uns erzählt hat, steht es sehr schlecht um unsere Wirtschaft - aber aus ganz anderen Gründen als allgemein kolportiert.
Da bin ich froh, dass ich kleiner Beamter in einer Hochsicherheitsinfrastruktur arbeite, wo man als Anwender schon froh sein darf, dass wenigstens Umlaute erlaubt sind.
Fahrt nach Bremen
Pünktlich um 16 Uhr rase ich aus der Bibliothek. Ich bekomme eine recht frühe Straßenbahn und habe am Hauptbahnhof sogar noch Zeit für einen Toilettengang. Dort ist es voll. Der Gang ist zu eng und die Männer kapieren nicht, dass es zwei Kassenautomaten gibt. Stau erzeugt Stau. Irgendwie drängele ich mich zum zweiten Automaten durch. Kartenzahlung funktioniert und die Wartezeit darauf, dass der Torwächter mich einlässt, fülle ich mit einem Stoßgebet.
Ich bekomme die S6 nach Essen um 16:30 Uhr. Das ist gut, weil ich bei der eigentlich geplanten um 16:50 Uhr nur acht Minuten Umstiegszeit habe. Acht Minuten! In Essen! Heutzutage!
Die Bahn ist voll, die erste Klasse auch. Immerhin kann ich sitzen und will mich nicht beschweren.
Der Umstieg in Essen klappt ganz gut und der Zug nach Osnabrück ist pünktlich. Das Draußen wird westfälisch, dunkel und sehr, sehr nass.
Leider fährt der RE2 nach und nach eine immer größere Verspätung ein, weswegen ich um den Anschluss nach Bremen fürchte. Allerdings rechne ich eh nicht damit, “schon“ um 20:45 Uhr in Bremen anzukommen. Es klappt auch ganz gut, im Moment zu sein und nicht die ganze Zeit daran zu denken, wie es sein könnte, endlich anzukommen, mich zu Duschen und mich hinzulegen. Dadurch wird die Fahrtzeit nicht kürzer, sondern ich quäle mich nur (“Sooo lange noch?“).
Irgendwann ist klar, dass ich den Anschlusszug in Osnabrück nicht kriegen werde. Die Erkenntnis beruhigt mich und mein Gehirn baut sofort einen Plan, der einen Toilettengang und heißen Kaffee beinhaltet.
Der Bahnhof Osnabrück ist escherhaft verschaltet, da wäre sogar der Essener Hauptbahnhof verwirrt. Wenn man den Bahnhof verlassen will, sieht man ein großes Schild auf dem steht: "Viel Glück in Osnabrück!"
Gerne hätte ich mein Glück in Osnabrück gefunden, aber der Fahrplan hat andere Vorstellungen.
In einer Bäckerei trinke ich einen Kaffee, dann gehe ich zum Gleis. Auf dem Bahnsteig laufe ich ein wenig hin und her.
Der RE9 nach Bremen ist pünktlich.
Nach dem Einsteigen kommt die übliche Durchsage. Bei der Erwähnung des Ortsnamen "Bohmte" muss die Zugbegleiterin lachen.
Später kontrolliert sie die Fahrkarten und es stellt sich heraus, dass sie ein Engel mit Nasenpiercing ist.
Freimarkt
Im Bremer Hauptbahnhof ist eine Menge los, hinter dem Bremer Hauptbahnhof noch mehr. Es ist "Freimarkt" (Rummel) und jetzt habe ich endlich eine Erklärung dafür, dass das Hotelzimmer so ungewöhnlich teuer ist.
Die Menschen sind einigermaßen fröhlich, viele wanken. Ein Mann stützt einen Alten, beide in bayerischer Tracht. Sie wirken überhaupt nicht deplaziert.
Abend
Im Hotel putze ich mir nur noch die Zähne, meditiere und falle sofort total erschossen aufs Bett.