2026-09-07: Montag
Spätsommersonne
Nacht
Schwieriger, häufig unterbrochener Schlaf. Als ich dann doch mal auf die Uhr schaue, bin ich froh, dass ich doch mal zwei Stunden am Stück gepennt habe.
Traum vom Elektrotisch
Mir träumt, ich bin immer mal wieder im Dienstgebäude einer fremden Behörde zu Gast. Hier sehe ich einen ferngesteuerten, elektrischen Tisch, für den sich aber niemand interessiert. Also nehme ich ihn mal mit, denn ich will ihn ausprobieren. Da ich nicht weiß, wie der Tisch funktioniert, frage ich Th. um Rat. Er versucht, den Tisch ans Laufen zu bringen, jedoch reagiert das Möbel nicht. Wir gehen zu einem anderen Kollegen in der IT. Dieser zeigt uns einen unsichtbaren Knopf an der Tischkante außen. Nun klappt sich der Tisch auseinander und wieder zusammen. Er erhebt sich in die Luft und tänzelt über die anderen Möbel im Raum hinweg. Das ist wunderschön, jedoch erschließt sich mir der praktische Sinn des Ganzen nicht. Außerdem nagt in mir die Scham, denn ich habe den Tisch ja einfach so mitgenommen ohne vorher zu fragen.
Einen elektrischen Stuhl, der mich zur Arbeit trägt, würde ich vielleicht nehmen, jedoch schreckt mich der Name ab.
Später bin ich dann wieder im Büro. Hier schaue ich der Lieblingskollegin zu, wie sie Tee trinkt. Sie ist erkältet und ich frage sie, ob sie Spinat mag. Sie verneint. Dann frage ich sie, ob sie Grünkohl mag. Sie verneint. Dann frage ich sie, ob sie Rosenkohl mag. Sie verschluckt sich und erklärt, sie habe erst “Romeo“ verstanden und gedacht, es ginge um “Romeo und Julia“.
Aufgeräumter Morgen
Ich stehe mit einigermaßen klarem Geist auf. Das Gehirn hatte ja noch eine Menge Eindrücke von der Caravan-Messe zu verarbeiten. Ich vermute, dass der Klapptisch auch von den praktischen Inneneinrichtungen der Wohnmobile herrührt.
Arbeitsweg
In Düsseldorf ist die Luft warm. Am Worringer Platz steht vor einem Kiosk eine dünne Frau. Sie zittert und spricht mit zwei verhauen aussehenden Typen, die aus der Trinkhalle hinaus ins Freie treten. Sie sehen so aus, als suchten sie jemanden.
Es beginnt zu tröpfeln. Ich ziehe mir die Soft-Shell-Jacke an und fühle mich ein wenig outdoof (eigentlich wollte ich “outdoor” schreiben, aber das bleibt jetzt so).
Die Regen-App zeigt einen kleinen blauen Klecks genau an der Stelle, wo ich gerade bin. Der Klecks zieht von dannen und ich packe die Jacke wieder ein.
Mittagsruhen
In der Mittagspause kehre ich in die nächste Apotheke, um Voltaren Forte - das Balsam für Altherrenfüße - zu kaufen. Es gibt die Zaubersalbe zum Glück auch in kleinen Gebinden, denn ich benötige bisher (toi toi toi) noch nicht so viel davon.
Sucht
Die Spätsommersonne ist wieder ganz schön prallig drauf und ich wusele mich zwischen angeschwitzten Menschen hindurch zum Florapark. Hier sitzen Männer und trinken Bier zu Erdnussflips. Die Sucht ist wieder zu Gast. Ich heiße sie willkommen und biete ihre einen Platz neben mir an. Sie ist nämlich eh schon da, warum soll ich sie dann nicht auch freundlich begrüßen?
Die Sucht kommt und geht wie ein Hallodri. Sie setzt Dir einen dicken Bauch und verschwindet wieder draußen im Nirgendwo. Während Du das Kleine hütest, ist sie fern und doch immer da.
In den letzten Wochen zog es mich immer wieder zum Zucker hin und das ist nicht gut für mich, denn wenn ich zu viel Zucker esse, dann esse ich auch sonst immer mehr und dieses “mehr“ will dann irgendwann auch Alkohol. Die Sucht steht unten auf der Straße an der Tür und schaut hinauf. Sie trägt einen Sonnenhut und hat einen weißen Anzug an. Horch, mein Kind! Gleich wird sie schellen, die Sucht! Dann will sie hinaufkommen zu uns. Sie wird uns nichts bringen, nicht den kleinsten Heller und wenn sie wieder geht, werden wir zwei Weinen vor Schande und doch hoffen, dass sie bald wiederkommt.
Da mir die Füße weh tun, nutze ich den Schmerz für mein Vorhaben, noch ein Stück leichter zu werden. Ein großes, fettes Stück würde ich am liebsten leichter werden, damit die Gelenke und Sehnen nicht mehr ganz so ächzen. Die Sache mit der “Body Positivity“ endet für die meisten Menschen dann, wenn die eigenen Knochen wegen Überlastung brechen. Gegen diese Schmerzen hilft keine Selbstliebe.
Deswegen steht auf meiner Zielscheibe jetzt der Zucker und wenn ich ganz ehrlich bin, dann ist das auch ein bisschen schade. Doch “Schade!“ steht auch auf der Kiste, in der ich die Erinnerungsfotos mit der Sucht aufbewahre.
Heimfahrt, Schreiben
Um langsam wieder auf meinen Schritteschnitt zu kommen, gehe ich zum Feierabend ein Stück den Rhein hinunter. In den Kasematten verleibt man sich die letzten Aperols des Jahres ein. Es ist sommerlich warm, der August winkt uns aus seinem Grabe.
Susan Sonntag musste schreiben um zu wissen, was sie denkt, ich muss schreiben um zu wisssen, was ich fühle. Was fühle ich?
Eine Art von Freude. Mir wurde ein Lächeln geschenkt. Ich ließ mich selber von einer kalten Schulter abtropfen und landete bei mir selber. Der kleine Bär wurde vom großen Bären in den Arm genommen. Dann dieses Lächeln.
Als ich in Derendorf einsickere, möchte etwas anderes dringend aus mir heraus sickern. Im Rewe gibt es keine Kundentoilette. Es gibt überhaupt keine Toiletten hier. Hier lässt man nicht laufen, hier hält man diszipliniert ein. Der Kanzler guckt so verkniffen, weil er seit seiner Einschulung mit sechs Jahren tapfer einhält. Leiden muss der Deutsche, denn sonst zählen weder Freude noch Götterfunken.
Wie immer rettet mich die Bildung und ich husche in der Bibliothek der HSD mal schnell aufs Örtchen. Sturm und Drang sind abgesagt.
Nun kann ich wieder schlendern wie ein Lebemann und die S1 verliert ihren klolosen Schrecken.
Das Herz flattert.
Zero Down
Ich mache auf dem Zerowriter Ink ein Downgrade auf Version 2.1, weil die Fehlerchen dann doch nerven. 2.1 ist zwar noch nicht stabil, aber funktioniert doch sehr gut.
Wahl
In SA war Wahl und ich stecke erst einmal gepflegt den Kopf in den Sand. Warum sollte ich dem nun zwangsläufig folgenden Nachwahlgetöse auch nur die Arbeit einer einzigen Gehirnzelle gönnen?
Es wird sicher hin verhandelt, damit später her verhandelt wird und ganz irgendwann gibt es dann ein Ergebnis und ob das dann furchtbar wird oder nicht ganz so furchtbar, das werden wir dann sehen.