2026-09-05: Samstag
Caravan-Salon
Morgenklares Abenteueraufstehen
Ganz gute Nacht. Ich schrecke nur ca. alle zwei Stunden hoch.
Die Träume sind wirr und drehen sich im Kreis. Viele Questmarker.
Der Morgen ist klar und kühl. Da der Tag aber wieder mit 20 Grad einigermaßen wärmlich werden soll, lasse ich die Übergangsregenjacke noch im Schrank und entscheide mich für einen dicken Wollpullover. Für den Regenfall habe ich noch die Soft-Shell-Jacke im Gepäck.
Heute ist ein Abenteuer geplant, denn ich möchte mit meinen Freundchen Flöte und Freundchen den Caravan-Salon in Düsseldorf besuchen. Das ist die galaxisweit größte Campingmesse in Deutschland und die beste Ex-Frau von allen und ich waren vor mehr als zwanzig Jahren schon ein mal dort. Damals wohnten wir in Düsseldorf und sind an einem Wochenende einfach spontan zur Messe gefahren. Von den dort bestaunten Wunderlichkeiten zehren wir noch heute und wenn ein freundschaftlicher Abend bei Knabberwerk und Kaltgetränk ein wenig zu erschlaffen droht, so unterhalten wir die Runde immer mit der Anekdote, in der damals eine dicke Frau in geistiger Kittelschürze vor uns eine Ausstellungshalle betrat, stehen blieb, sich umdrehte und brüllte: “GÄÄÄÄÄRD! HIER IST HYMAAAA!“ (“Hymer“ ist eine verbreitete Campingauto-Firma). Oder dieses Wohnmobil mit Dachterrasse. Oder dieser Wohnwagen, der so aussah, als wäre für und von den Jakob-Sisters designed worden. Oder der extrem karge Wohnanhänger, in dem ein Motorrad, eine Pritsche, ein Waschbecken und ein Werkzeugkasten Platz fand. Oder, oder, oder!
Weg nach Düsseldorf
Ich laufe zu Fuß zur Kremerstraße, denn die U79 fährt irgendwie nicht mehr über Duissern. Das ist ein schöner, halbstündiger Spaziergang durch eine morgendliche, erwachende Stadt. Heute werde ich mal in Lohausen umsteigen, einen kleinen, flughafennahen Stadtteil Düsseldorfs. Früher empfand ich ihm bei der Durchfahrt immer als ein wenig verwunschen und malte mir aus, ich würde in der kleinen Kneipe an der Haltestelle der U79 irgendwann einmal Altbier trinken. Die Sache mit dem Altbier hat sich ja nun erledigt und ich bin inzwischen erwachsen geworden und weiß, dass nur verwunschene Gärten und Schlösser wirklich verwunschen sind. Dort, wo Menschen leben, wird meist nur die Biotonne raus gestellt.
Ich mag die U79. Sicher habe ich hier schon mal davon berichtet, dass ich damals mit ihr von Meiderich aus bis in die Düsseldorfer Altstadt fuhr. Dort machte ich dann einen kleinen Spaziergang durch deren Gassen, die ganz früh morgens von einer ganz eigenen Stimmung geprägt sind: Spätheimkehrer torkeln stolpernd über das Kopfsteinpflaster, während Handwerker und Lieferanten hastig daran arbeiten, dass alles wieder bereit steht für Saufi-Saufi am Vormittag.
Lohausen
Lohausen entpuppt sich dann als ein überraschend angenehm dörflicher Stadtteil. Ihn durchquere ich genau so wie den Lantz'schen Park, den ich schon vor einiger Zeit gemeinsam mit dem Thronfolger bestaunte (Kieselblog berichtete. Glaube ich).
Messe Düsseldorf
Die großen, großen Parkplätze der Messe Düsseldorf stehen voller Wohnmobile. So viele Gäste sind mit dem eigenen Schlafzimmer angereist, dass man sich die Messe auch sparen könnte. Fast auf Anhieb finde ich Freundchens Wilma (so heißt sein Wohnmobil) und bekomme einen Espresso aus einer Bialetti serviert. Hier herrscht eine lockere Stimmung. Der Camper stellt ja gerne Tische und Stühle raus.
Caravan-Salon
Auf dem Weg zum Messegelände sammeln wir eine Freundin von Freundchen auf. Vor dem Eingang treffen wir dann inmitten einer gigantischen Menschentraube auf Flöte. Natürlich wollen alle schon um zehn Uhr in die Messe, denn die meisten haben ja direkt nebenan übernachtet.
Die Halle mit dem Zubehör ist sehr voll. Ich kaufe einen kleinen, sehr leichten Edelstahlbecher, den ich mit Kaffee vollzapfen lassen darf. Die Tasse wird gut zu meiner Reise-Bialetti passen.
Die Imbisspreise auf der Messe schrecken selbst mich ab: 12 Euro für eine Currywurst mit Pommes usw. lassen bei mir keinen Appetit aufkommen.
Irgendwann habe ich alle Wohnmobile der Welt gesehen und wir gehen in die “Premium-Halle“. Hier sind die Wohnmobile ausgestellt, die auch eine Garage für einen Smart, einen Porsche oder einen Mercedes 200 SL an Bord haben. Jedes von diesen Landschiffen hat auch zwingenden einen Schrank für Rotweingläser dabei.
Ein Teil der Premium-Halle gehört den Expeditions- und Outdoor-Wohnmobilen. Meist sind das so militärisch anmutende Gelände-LKWs mit einem Wohnmobil-Aufbau. Mir gefällt die Vorstellung, mit so einem Ding durch die Wildnis zu stampfen und dann abends in der gemütlichen kleinen Bude zu sitzen und Hagebuttentee zu trinken.
Danach bin ich total im Eimer. Wir schauen uns noch im Außenbereich Tiny-Häuser an. Zielgruppe für diese Ausstellung sind die Betreiber von Campingplätzen und Urlaubsressorts. Beworben werden die Häuschen mit “insta-geeignet“ und “sofort ausgebucht“.
Nach den Hobbithäusern verabschiede ich mich, denn sowohl der körperliche als auch der geistige Akku sind leer.
Zum Glück kommt am Stockumer Kirchplatz bald eine U79, die nach Duissern fährt.
Bauchfisch
Das „Atlantic Fischhaus“ bietet Bauchfisch feil und wer bin ich schon, mich dem zu versagen?
Ich steige „Im Schlenk“ (klingt wie eine Haltestelle in einer Kurve) aus und futtere eine Fischplatte. Danach habe ich wieder so unglaublich viel Power (naja …), dass ich zu Fuß nach Hause laufen.
Daheim dann Schwingsessel, ein Wannenbad und eine baldige Flucht ins Bett.