{"id":90,"date":"2026-05-03T18:00:00","date_gmt":"2026-05-03T16:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kieselwiese.de\/?p=90"},"modified":"2026-05-03T10:25:11","modified_gmt":"2026-05-03T08:25:11","slug":"2026-05-02-heimfahrt-mudigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kieselwiese.de\/?p=90","title":{"rendered":"2026-05-02: Heimfahrt, M\u00fcdigkeit"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Nacht<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Schlaf im Hotelbett ist tief und relativ ruhig. Die Ohrenst\u00f6psel filtern das Geb\u00f6lke, welches vom Bahnhofsvorplatz herauf schallt, gekonnt aus.<\/p>\n\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Traum vom Notfall<\/h2>\n\n\n\n<p>Mir tr\u00e4umt, es gibt einen famili\u00e4ren Notfall. Der Neffe T. (im Traum noch ein kleines Kind) habe einen psychiatrischen Zusammenbruch, hei\u00dft es. Die Schwiegermutter selig habe das gemeldet, sagt man. Wir wollen alle schnell los zum Krankenhaus. Die beste Ex-Frau von allen vergisst vor Aufregung beinahe ihr Smartphone. Mein Vater lotst die Familie zum Auto, doch wird sind f\u00fcr den Wagen viel zu viele. Also will ich auch meinen Wagen nehmen. Mein Vater fragt mich, ob ich den Weg wei\u00df und ich zucke mit den Schultern. Drau\u00dfen vor der T\u00fcr stelle ich fest, dass mein Auto nicht mehr an seinem Platz steht! Mein Bruder rennt los, um die Sache zu untersuchen, denn er geht von einem Diebstahl aus. Doch er kommt \u00fcberhaupt nicht bis zum Parkplatz, denn seine alten Freunde &#8222;Porky&#8220; und &#8222;Schlempe&#8220; tauchen auf. Die Wiedersehensfreude ist so gigantisch, dass mein Bruder sich ihr kaum entziehen kann. \u00dcberall tauchen feiernde Menschen auf. Sie lachen und tanzen. Mein Bruder rollt sich zusammen mit Porky \u00fcber den Boden. Eine der Cheerleaderinnen, die nun die Puschel kreisen lassen, erkenne ich von fr\u00fcher. Sie ist \u00e4lter geworden, sieht aber noch immer phantastisch aus.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Vergeblich fingere ich in meiner Hosentasche nach dem Autoschl\u00fcssel. Solte ich ihn vielleicht versehentlich im Z\u00fcndschloss stecken gelassen und den Diebstahll damit erst ausgel\u00f6st haben?<\/p>\n\n\n\n\n<p>Es wird berichtet, dass der kleine T. panische Angst vor Comicfiguren hat, die er sich selber ausgedacht hat. Einer von ihnen hei\u00dft &#8222;Fairy American&#8220; und beim Klang des Namens gruselt es mich auch.<\/p>\n\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Morgen<\/h2>\n\n\n\n<p>Ich werde um halb sechs Uhr vom Handywecker geweckt. Die Stimmung ist. Die Abwechslung und vor allen Dingen die Gesellschaft des Thronfolgers gestern haben mir sehr gut getan.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Das Wort des Morgens lautet:<\/p>\n\n\n\n\n<p>&#8222;Wuddelmuddelpopp&#8220;<\/p>\n\n\n\n\n<p>Ich mache mir zwei Espressi mit der Bialetti Eletrika und freue mich \u00fcber den hei\u00dfen Lebenssaft.<\/p>\n\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fr\u00fchst\u00fcckDas Fr\u00fchst\u00fcck ist ebenso<\/h2>\n\n\n\n<p>einfach wie der Rest der Unterkunft und damit f\u00fcr mich hinreichend. F\u00fcr mich m\u00fcssen keine Wachteleier live pochiert werden, damit ich gut in den Tag starten kann.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Eine der Zugehfrauen des Fr\u00fchst\u00fccksraumes spricht mich auf englisch auf meinen Zerowriter Ink an. Ich kann einigerma\u00dfen erz\u00e4hlen, was das f\u00fcr ein Ger\u00e4t ist und sie findet ihn toll. Ich finde ihn auch toll und ich finde es toll, dass sie ihn toll findet und ehrlich gesagt finde ich sie auch ein bisschen toll.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Der Kaffee ist toll. Alles ist toll.<\/p>\n\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kartentricks<\/h2>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich hat das Hotelzimmer so einen Steckplatz, wo man die T\u00fcrkarte einstecken muss, damit im Raum die Lichter angehen. Da ich meine Schl\u00fcsselkarte aber lieber \u201eam Mann\u201c bei mir trage, dient dort eine alte Karte von einem Hotel in Villach als Ersatz. Dieser Trick ist eigentlich sattsam bekannt, aber ich freue mich trotzdem jedes Mal, wenn ich ihn anwenden kann. Ich f\u00fchle mich dann immer sehr weltm\u00e4nnisch.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Die Steckdosen funktionieren \u00fcbrigens auch ohne Karte, weswegen man in Abwesenheit auch ohne Kartentricks Ger\u00e4te aufladen kann.<\/p>\n\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Rossmanie<\/h2>\n\n\n\n<p>Mir fehlt Zahnpasta und ich gehe schnell zum Hauptbahnhof r\u00fcber, weil dort ein Rossmann seine Waren feilbietet. Es ist kurz vor acht Uhr und der Laden hat noch nicht ge\u00f6ffnet. Konsumwillige wie ich und Du warten teils geduldig, teils m\u00e4chtig hibbelig auf Einlass. Einige Herren in abgerissener Kleidung tragen volle Plastikt\u00fcten mit sich. Als sich die T\u00fcren des Rossmann \u00f6ffnen, gehen sie als erstes hinein. Eine der Kassen ist extra f\u00fcr die R\u00fcckgabe von Einweg-Pfandflaschen reserviert. Man geht sehr professionell mit der Situation um, das Ritual wirkt eingespielt. Der Rossmann gibt, der Rossmann nimmt.<\/p>\n\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Heimfahrt<\/h2>\n\n\n\n<p>Ich gehe beim Fr\u00fchst\u00fcck wohl ein wenig zu z\u00fcgig ans Werk, denn ich checke recht fr\u00fch aus und gehe zum Bahnhof r\u00fcber. Zum Gl\u00fcck wird der RE9 erst in Bremen eingesetzt und ich kann mir in Ruhe einen Platz aussuchen. Bis der Zug abf\u00e4hrt, verblogge ich den gestrigen Tag. Die Fahrt wird planm\u00e4\u00dfig 3:19 Stunden dauern mit einem Umstieg in Osnabr\u00fcck. Ich bin gespannt und gelassen zugleich.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Der Zug gleitet \u00fcber die rapsgelbe Ebene. Das Ende der ersten Etappe n\u00e4hert sich. Im Ohr ambiente Musik, auf der Zunge noch das Salz des Fr\u00fchst\u00fcckseis. Gerne w\u00fcrde ich jetzt Wasser trinken, aber habe wie so h\u00e4ufig auf Zugfahrten Toilettenangst. Eine Sp\u00e4tfolge von damals viel zu viel genossenem Bier in den Z\u00fcgen des deutschen Regionalverkehrs.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Die Zugbegleiterin im RE9 ist ein regelrechter Sonnenschein und alle L\u00f6wen im Zug verwandeln sich ihrem Licht in zarte L\u00e4mmchen. Alles schnurrt und gurrt und denkt sich nichts dabei.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Der Umstieg in Osnabr\u00fcck wird professionell abgewickelt. Die Studienorte des Thronfolgers haben f\u00fcr mich bisher gemeinsam, dass ich auf meinen Reisen zu ihm hin und von ihm weg h\u00e4ufig von Endhalt zu Endhalt fahre. Die Folge davon sind lange Zeiten des Ausharrens aber auch des Zur\u00fccklehnens.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Gerne w\u00fcrde ich die Stelle des Stadtpoeten in Kattenvenne antreten. Leider sind hier s\u00e4mtliche Endreime auf \u00a8Henne\u00a8 verboten, weswegen ich leider von diesem freundlichen Ort Abstand halten muss.<\/p>\n\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Heimkehrung<\/h2>\n\n\n\n<p>Daheim angekommen erfasst mich ein furchtbarer Hunger. Ich werfe die Reisetasche in eine Ecke und gehe zum H\u00e4hnchenking auf einen H\u00e4hnchen-King mit Pommes Spezial. Zum Nachtisch dann einen Nougatcremering und ein St\u00fcck von diesem luftigen Kuchen mit karamellisierten Waln\u00fcssen oben drauf.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Suppenkoma im Schwingsessel. Ich schlafe sofort ein und tr\u00e4ume davon, dass ich auf die Toilette muss. Erst als auch dem Klo sitze, merke ich, dass da wohl jemand duscht und dass Wasser \u00fcber genau den Fu\u00dfboden flie\u00dft, auf dem auch meine F\u00fc\u00dfe stehen. Es w\u00e4ssert sich n\u00e4mlich gerade die beste Ex-Frau von allen von oben herab. Warum sie das in meiner Wohnung tut und warum meine Wohnung so aussieht, wie sie aussieht (ich habe eigentlich keine Dusche, sondern nur eine Wanne). Den Rest des Traumes vergesse ich.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Eigentlich will ich nicht mehr raus, aber dann ist die <a href=\"https:\/\/www.taschenkaufhaus.de\/products\/vaude-mineo-22-black-messenger-bag\" title=\"Vaude Messenger-Back\">neue Tasche<\/a> in der Packstation, da kann ich nat\u00fcrlich nicht widerstehen. Sie ist gr\u00f6\u00dfer als gedacht, aber sie tr\u00e4gt nicht so auf (Link ist <em>keine<\/em> Werbung. Ich bestelle beim Taschenkaufhaus nur ganz gerne). Meine Ger\u00e4te und mein Kram finden in ihr gut Platz. Vielleicht werde ich zuk\u00fcnftig wieder mehr den kleineren Lederrucksack anstatt des gro\u00dfen Vaude-Rucksacks benutzen.<\/p>\n\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zerowriter Ink-Erfahrungen<\/h2>\n\n\n\n<p>Man merkt schon an dieser oder jener Ecke den Eigenbau-Charakter des Ger\u00e4ts. Wenn man z. B. eine gerade ge\u00f6ffnete Datei im Dateimanager mit einem Ausrufezeichen markiert (&#8222;flag&#8220;), dann wird eine neue, zus\u00e4tzliche Datei geschrieben. Fast so wie eine Versionierung.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Positiv \u00fcberascht bin ich vom &#8222;Drafting-Mode&#8220;. Hier sind die Bearbeitungsm\u00f6glichkeiten (z. B. Navigation im Text) stark eingeschr\u00e4nkt, daf\u00fcr klebt der Cursor beim Schreiben immer am unteren Ende des Displays. Im &#8222;Standard-Mode&#8220; wandert der Cursor beim Schreiben von oben nach unten und h\u00fcpft dannn wieder oben auf eine neue Seite. Das ergibt Sinn, denn wenn man einen Text \u00fcberarbeiten will, dann sollten sich die Zeilen nicht andauernd verschieben.<\/p>\n\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Balkon<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Luft wird dr\u00fcckend, die innere Unruhe steigt. Meine t\u00e4gliche Meditation macht mir bewusst, dass ich mich besser nicht ablenken (Zocken, Videos gucken), sondern lieber was f\u00fcr die R\u00fcbe tun sollte.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Also setze ich mich mit einem guten iPad \u2026 \u00e4hm \u2026 Buch auf den Balkon und sehe Mauersegler \u00fcber den Himmel flitzen. Oder Schwalben. Meine Augen sind zu schlecht, um den Unterschied zu erkennen.<\/p>\n\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ruthenische Kugeldistel<\/h2>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"853\" src=\"https:\/\/blog.kieselwiese.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG_0060.png\" alt=\"Ruthenische Kugeldistel\" class=\"wp-image-89\" srcset=\"https:\/\/blog.kieselwiese.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG_0060.png 640w, https:\/\/blog.kieselwiese.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG_0060-225x300.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption>Ruthenische Kugeldistel<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Diese Kugeldisteln wachsen in meinen Balkonk\u00e4sten und werden gerne von Hummeln angeflogen.<\/p>\n\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Atlantisches Hasengl\u00f6ckchen<\/h2>\n\n\n\n<p>Seit dem letzten Besuch bei meinen Eltern sehe ich \u00fcberall das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Atlantisches_Hasengl%C3%B6ckchen\" title=\"Wikipedia Atlantisches Hasengl\u00f6ckchen\">Atlantische Hasengl\u00f6ckchen<\/a> bl\u00fchen. Gerne h\u00e4tte ich eines f\u00fcr meine Balkonk\u00e4sten. Vielleicht kann ich mir beim n\u00e4chsten Besuch in der alten Heimat mal ein paar Zwiebeln aus ihrem Garten ausgraben.<\/p>\n\n\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nacht Der Schlaf im Hotelbett ist tief und relativ ruhig. Die Ohrenst\u00f6psel filtern das Geb\u00f6lke, welches vom Bahnhofsvorplatz herauf schallt, gekonnt aus. Traum vom Notfall Mir tr\u00e4umt, es gibt einen famili\u00e4ren Notfall. Der Neffe T. (im Traum noch ein kleines Kind) habe einen psychiatrischen Zusammenbruch, hei\u00dft es. Die Schwiegermutter selig habe das gemeldet, sagt man. 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