{"id":88,"date":"2026-05-03T09:52:23","date_gmt":"2026-05-03T07:52:23","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kieselwiese.de\/?p=88"},"modified":"2026-05-03T09:52:23","modified_gmt":"2026-05-03T07:52:23","slug":"2026-05-01-reise-nach-bremen-und-bremerhaven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kieselwiese.de\/?p=88","title":{"rendered":"2026-05-01: Reise nach Bremen und Bremerhaven"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Erholung<\/h2>\n\n\n\n<p>Langsame Erholung. Konnte mich gut ausruhen und ich bin in der Lage, meine geplante Reise nach Bremen versp\u00e4tet doch noch anzutreten.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Die \u00c4nderungen in meinem Inneren haben mich viel Kraft gekostet. Momentan scheint ein wenig Ruhe in den Konflikt eingetreten zu sein.<\/p>\n\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Reisefieber<\/h2>\n\n\n\n<p>Innere Unruhe steigt an. Bin vor der Reise nerv\u00f6s wie schon lange nicht mehr. Schon seltsam, dass mich eine Fahrt, die eigentlich \u00fcberhaupt keinen Anlass zur Aufregung sein sollte, mich derart unter Strom setzt. Die Fahrt nach Bremen dauert nicht besonders lang, das Hotelzimmer ist gebucht und das Hotel mir schon bekannt. Ich habe gen\u00fcgend Zeit eingeplant. Dennoch wibbele ich daheim herum wie beim Warten aufs Christkind.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Der Zeitpunkt f\u00fcrs Losgehen kommt einer Erl\u00f6sung gleich.<\/p>\n\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Taschenkauf<\/h2>\n\n\n\n<p>Wie immer, wenn ich es mir nervlich nicht so gut geht, will ich mir etwas Sch\u00f6nes kaufen. Also logge ich mich beim Taschenkaufhaus ein und bestelle mir eine neue Umh\u00e4nget\u00e4sche, in welcher der Zerowriter Ink in seinem Sleeve zuk\u00fcnftig noch besser wohnen kann als in der doch sehr rudiment\u00e4ren Bollertasche. Irgendwie bin ich unverbessserlich.<\/p>\n\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zugfahrt nach Bremen<\/h2>\n\n\n\n<p>Der ICE, auf den ich umgebucht habe, f\u00e4llt aus. Immerhin habe ich die nun verfallende Sitzplatzreservierung mit Punkten statt mit Geld bezahlt. So ein Vorgang f\u00fchlt sich f\u00fcr mich an, als w\u00fcrde ich in der B\u00e4ckerei mit Spielgeld bezahlen.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Den n\u00e4chsten ICE entere ich reservierungslos, denn er ist laut Navigator ausgebucht. Trotzdem bekomme ich problemlos erst einen Sitzplatz bis Osnabr\u00fcck, dann wird ein g\u00e4nzlich unreservierter Platz nebenan frei. Ob vielleicht in den ICEs nicht alle Pl\u00e4tze zur Reservierung eingeplant werden, damit Spontanreisende nicht auch noch die G\u00e4nge verstopfen? Oder sind die Sitzplatzreservierungen grunds\u00e4tzlich kurz vor Abfahrt eines Zuges &#8222;ausgebucht&#8220;?<\/p>\n\n\n\n\n<p>Leute haben Bollerwagengep\u00e4ck in das Fahrradabteil gestellt und wir bleiben jetzt so lange in Dortmund stehen, bis sich die Schuldigen gemeldet haben.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Strafe muss sein!<\/p>\n\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hotel<\/h2>\n\n\n\n<p>Mein Bremer Hotel ist modern, sauber und zweckm\u00e4\u00dfig. Die Hakendichte im Zimmer d\u00fcrfte den Postwestfalen erfreuen. Jedoch glitzern hier nahezu s\u00e4mtliche Ablagefl\u00e4chen durch Abwesenheit. Zum Gl\u00fcck reise ich ja solit\u00e4r ohne meinen Zwilling und kann meinen Kram daher auf dem zweiten Bett des \u201eTwin-Room\u201c ausbreiten.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Da es in Hotels ja meist nur &#8222;All-in-One&#8220;-Duschgel gibt, habe ich in einer meiner Travel-Dudes Shampoo dabei. Mir f\u00e4llt beim Auspacken auf, dass es ich seinerzeit im Rossmann in Nova Goricia gekauft habe und bekomme Fernweh, obwohl ich doch gerade in der Ferne weile. Der Mensch ist wohl niemals zufrieden.<\/p>\n\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tastenklemme<\/h2>\n\n\n\n<p>Beim Zerowriter Ink klemmt die linke Shift-Taste. Ich ziehe die Taste raus und der Switch l\u00f6st sich gleich mit vom Board. Da hat sich dieses ungleiche Paar doch in wilder Leidenschaft ineinander verkeilt. Ich trenne die Liebenden und setze sie vorsichtig an ihren Platz. Alles tippt jetzt wieder wie geschmiert.<\/p>\n\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gleis 11<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Thronfolger und ich treffen uns am Hauptbahnhof, denn wir wollen einen Ausflug nach Bremerhaven machen. Da ich noch ein wenig Zeit habe, drehe ich eine Runde durch die Verkaufshallen und Gark\u00fcchen, um ein paar Postkarten zu besorgen.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Ein gro\u00dfer, schwarzer Mann m\u00f6chte in einem Schreibwarenladen einen Nagelknipser kaufen. Diesen gibt es aber leider nur in einem Manik\u00fcre-Set. Das Englisch der kleinen, kopftuchtragenden jungen Frau ist nicht so gut und deswegen f\u00e4llt es ihr schwer, ihm den Weg zum Rossmann zu weisen. Sie bittet mich um Hilfe und ich handfu\u00dfe ihm die Richtung (&#8222;Rossmann! Drugstore with a red logo!\u201c).<\/p>\n\n\n\n\n<p>Ich denke mir das nicht aus!<\/p>\n\n\n\n\n<p>Die Bahnhofskneipe hei\u00dft \u201eGleis 11\u201c und als ich gegen halb zehn Uhr morgens an ihr vor\u00fcbergehe, steht hier schon die Wodkaflasche auf dem Tresen. Ich schnicke ein stilles Dankesgebet gen Himmel, dass ich aus diesem Karrusell ausgestiegen bin, sonst h\u00e4tte ich vielleicht dabei gesessen und h\u00e4tte mir eingeredet, dass ich den geplanten Tag mit dem Sohn trotz der \u00dcbern\u00e4chtigung und dem bedrohlichen Alkoholspiegel &#8222;schon irgendwie hinkriegen&#8220; w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Es sind viele Verwirrte unterwegs. Auf dem Vorplatz steht stramm eine gro\u00dfe Frau und versucht, mit einem Kaffee in der Hand die Fr\u00fchlingssonne zu genie\u00dfen. Sie ist recht sch\u00f6n anzuschauen mit ihrem kurzen Rock und den langen Haaren. Ein alter verwirrter Mann denkt wohl \u00e4hnlich wie ich und brabbelt in ihre Richtung. Sie versucht, ihn damenhaft zu ignorieren.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Ebenfalls vor dem Bahnhof hat sich ein junger schwarzer Mann unter die Verkaufstheke eines geschlossenen Imbisses geklemmt und zuckt.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Bremen wirkt auf mich eigentlich wie die junge, leicht sommersprossige Schwester von Hamburg, doch manchmal sieht man in den Winkeln ihrer gr\u00fcnen Augen eine befremdliche Bosheit aufblitzen.<\/p>\n\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Bremerhaven<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Thronfolger und ich treffen uns auf dem Bahnsteig und steigen direkt in den RE8 ein. Der Zug ist ganz gut mit Ausfl\u00fcglerinnen und Ausfl\u00fcglern best\u00fcckt. Guttarale, bayerische Stimmen mischen sich unter schw\u00e4belnde Schn\u00e4bel. Dazu h\u00f6rt man leichtes S\u00e4chseln. Die Stimmung ist gel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Kurz vor Bremerhaven bleibt der Zugt auf freier Strecke stehen. Der Lokf\u00fchrer macht eine entsprechende Durchsage und seine Stimme klingt dabei derma\u00dfen nach durchzechter Nacht (Tanz in den Mai!), dass der gesamte Waggon anf\u00e4ngt zu lachen.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Am HBF Bremerhaven h\u00f6ren wir die Durchsage, dass es hier keinerlei Anschl\u00fcsse zu verpassen g\u00e4be. Wenn man nach Cuxhaven weiter wolle, m\u00fcssen man in Lehe umsteigen.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Dem Thronfolger und mir hat man erz\u00e4hlt, dass Bremerhaven ziemlich abgeranzt sei. Uns aber pr\u00e4sentiert sich eine aufger\u00e4umte, quirlige, schmucke Hafenstadt. Sind die Informationen, die uns erreicht haben, vielleicht veraltet? Sind die Informanten etwa versnobt? Oder sind wir als Duisburger einfach so sehr abgestumpft, dass wir offensichtliches Elend nicht mehr erkennen k\u00f6nnen?<\/p>\n\n\n\n\n<p>Auf dem Weg zum Hafen sehen wir einen heimeligen alten Fischimbiss, der an Feiertagen jedoch leider geschlossen hat. Im herrlichsten Sonnenschein besichtigen wir das Museums-U-Boot. Ich bin heilfroh, dass ich nicht mehr so dick bin, denn mit meinem H\u00f6chstgewicht h\u00e4tte ich nicht durch die Luken klettern k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Dann geht es weiter zum Deutschen Schifffahrtsmuseum, wo man sich sicher auch heute noch \u00fcber die Rechtschreibreform \u00e4rgert.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Die alte Kogge in der Koggenhalle ist gr\u00f6\u00dfer, als man so denkt. Der junge Mann an der Kasse erkl\u00e4rt uns das Museum und verbreitet motivierte Freundlichkeit. Der Thronfolger und ich schlendern umher.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Nach der Kogge gehen wir r\u00fcber ins eigentliche Museum. Die Dauerausstellung gef\u00e4llt mir nach ein wenig Eingew\u00f6hnung recht gut. Es gibt einzelne Stationen zu jedem Thema und man hat bei der Auswahl der Expontat Zur\u00fcckhaltung ge\u00fcbt und ich f\u00fchle mich nicht von der F\u00fclle der Ausstellungsst\u00fccke erschlagen. Der gro\u00dfe, offene Raum der Werfthalle schafft eine angenehme Atmosph\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Gl\u00fccklicherweise k\u00f6nnen wir auch noch die Sonderausstellung zur Forschungsreise der &#8222;Meteor&#8220; in den 20er Jahren ansehen. Hier wird man anhand der Chronologie der Expedition(en) durch die Zeit gef\u00fchrt, was f\u00fcr mich nach dem Herumstromern auch ganz entspannend ist. Die Fahrt der Meteor wird gut in die Zeit eingebettet: Weimarer Republick, monarchistische, nationalistische Offiziere, &#8222;Auslandsdeutsche&#8220;, ehemalige Kolonien. Einer der Matrosen war von der Fahrt so sehr beeindruckt, dass er ganz offiziell den Doppelnamen &#8222;Bruckschen-Meteor&#8220; annahm.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Wir purzeln mit vollen K\u00f6pfen und leeren M\u00e4gen in die fr\u00fche Nachmittagssonne. Hungrig kehren wir bei &#8222;Gosch&#8220; ein (Papa zahlt). Das Essen (Scholle f\u00fcr den Thronfolger, Fischgrillteller f\u00fcr Papa) ist ganz in Ordnung, allerdings ganz sch\u00f6n teuer. Man zahlt hier f\u00fcr den Namen mit.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Nach der Speisung laufen wir am Wasser entlang. Es ist warm und ich habe ganz pl\u00f6tzlich ein starkes Urlaubsgef\u00fchl. Das hier ist ja gar kein kurzer Besuchs-Trip, sondern ein kleiner Mini-Urlaub! Die Erkenntnis nagelt mich an den Deich.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Durch die Stadt laufen wir zum Bahnhof Lehe. Es ist wirklich nett hier.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Die Fr\u00fchlingsstimmung weicht einer sp\u00e4tsommerlichen Tr\u00e4gheit. Vor dem &#8222;Alten Bootsmann&#8220; sitzen alte Bootsm\u00e4nner und starren in ihr Bier.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Die R\u00fcckfahrt nach Bremen ist von einer gewissen Ersch\u00f6pfung gezeichnet. In der gro\u00dfen Stadt drehen wir noch eine Runde \u00fcber den Marktplatz. Damit h\u00e4tte ich das \u00fcbliche touristische Programm f\u00fcr Bremen auch beendet! Der gr\u00fcne Weg durch die alte Wallanlage f\u00fchrt uns zum Hotel zur\u00fcck. Es ist sch\u00f6n, dass es mitten in der Stadt eine kleine gr\u00fcne Lunge gibt.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Vor dem Hotel verabschieden wir uns.<\/p>\n\n\n\n\n<p>Auf dem Zimmer nehme ich erst einmal eine ausgiebige Dusche. Dann schreibe ich ein paar Postkarten und lege mich fr\u00fch, von M\u00fcdigkeit erf\u00fcllt, ins Bett.<\/p>\n\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">U-Boot &#8222;Wilhelm Bauer&#8220;<\/h2>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"853\" src=\"https:\/\/blog.kieselwiese.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG_2451.png\" alt=\"Museums-U-Boot \u201eWilhelm Bauer\u201c\" class=\"wp-image-87\" srcset=\"https:\/\/blog.kieselwiese.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG_2451.png 640w, https:\/\/blog.kieselwiese.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG_2451-225x300.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption>Museums-U-Boot \u201eWilhelm Bauer\u201c<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erholung Langsame Erholung. Konnte mich gut ausruhen und ich bin in der Lage, meine geplante Reise nach Bremen versp\u00e4tet doch noch anzutreten. 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