{"id":523,"date":"2026-07-09T18:00:00","date_gmt":"2026-07-09T16:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kieselwiese.de\/?p=523"},"modified":"2026-07-09T18:00:00","modified_gmt":"2026-07-09T16:00:00","slug":"2026-07-04-oldenburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kieselwiese.de\/?p=523","title":{"rendered":"2026-07-04: Oldenburg"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Nacht<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr ein Hotelbett in der ersten Nacht schlafe ich gut. Die Matratze schmiegt den R\u00fccken. Die Ohrenst\u00f6psel blenden Gequake und Gepiepse aus dem Nachbarzimmer aus. Dicke Vorh\u00e4nge verdunkeln das Zimmer zuverl\u00e4ssig. Nur rolle ich schlafend immer wieder kantw\u00e4rts, aber ich wache immer auf, bevor ich aus dem Bett falle.<\/p>\n\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gurkentr\u00e4ume<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Tr\u00e4ume sind wirr. In einem gehe ich mit meiner Mutter in einen gro\u00dfen t\u00fcrkischen Gem\u00fcsemarkt. Mama beschwert sich, dass die Einlegegurken so teuer geworden w\u00e4ren. Ich m\u00f6chte trotzdem welche kaufen. Es gibt viele verschiedene Gurken. Ich m\u00f6chte so kleine Cornichons haben, um sie im Sud eines leergefutterten Gurkenglases einzulegen. Ich habe vor, noch extra Knoblauch und Chili hinzuzuf\u00fcgen. Die Gurken liegen in Erde und ich suche mir welche zusammen. Dazu Bratpaprika. Der Abroller f\u00fcr diese kleinen, leichten Plastikt\u00fcten ist in der Wand befestigt. Das ist sehr praktisch, denn man muss nur am T\u00fctchen ziehen und schon hat man eines in der Hand.<\/p>\n\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Morgen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Wecker weckt um 6:30 Uhr. Beim Aufbau der Bialetti stelle ich fest, dass ich die Tasse zu Hause vergessen habe. Aus dem Zahnputzbecher aus Pappe m\u00f6chte ich meinen Espresso aber nicht trinken, also f\u00e4llt der Morgentrunk leider aus. Bis  zum Fr\u00fchst\u00fcck um 7:30 Uhr ist es aber eh nicht so lange.<\/p>\n\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zeit bis dahin verbringe ich mit Bloggen und Lesen.<\/p>\n\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fr\u00fchst\u00fcck<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Fr\u00fchst\u00fcck ist wie erwartet einfach, aber ganz in Ordnung. Die M\u00fcsli-Auswahl gef\u00e4llt mir besser als die im Ibis. Immerhin gibt es hier Sonnenblumenkerne, Trockenfr\u00fcchte und sogar Bananen-Chips. Leider ist der Vollautomat kaputt und deswegen muss die eine junge Dame von der Rezeption nicht nur das B\u00fcffet auff\u00fcllen, sondern auch Kaffeetassen verteilen.<\/p>\n\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"853\" src=\"https:\/\/blog.kieselwiese.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/IMG_2731.png\" alt=\"An der Weser\" class=\"wp-image-522\" srcset=\"https:\/\/blog.kieselwiese.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/IMG_2731.png 640w, https:\/\/blog.kieselwiese.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/IMG_2731-225x300.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption>An der Weser<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tassen fassen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da der Herr Student seinen Weisheitsschlaf n\u00f6tig hat, sind wir erst gegen Mittag verabredet. Ich nutze die Zeit f\u00fcr einen Spaziergang zur Weser. Hier treffe ich auf einen kleinen Flohmarkt und kaufe ganz ohne Feilschen eine Tasse mit roten Hirschen darauf. Wenn ihr mich mal feilschen sehen wollt, dann guckt Euch mal die Szene in \u201cDas Leben des Brian\u201c an, wo Brian versucht, auf einem Markt einen falschen Bart zu kaufen.<\/p>\n\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich zahle einen Euro und bin jetzt stolzer Besitzer einer eher weihnachtlichen Hirschtasse mit einem leichten Katsch oben an der Kante. Wenn ich mir jetzt noch ein wenig Sp\u00fcli besorge, dann wird es doch noch was mit dem Espresso auf dem Hotelzimmer.<\/p>\n\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei \u201cMa\u201c an den Schlachten trinke ich einen doppelten Espresso. Bald wird es doch ein wenig k\u00fchl. Der Niesel regnet sich ein. Funktionsjackenzeit.<\/p>\n\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Holy Shit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Hauptbahnhof Bremen hat ein Stand f\u00fcr den Youtuber-Brause \u201cHoly\u201c er\u00f6ffnet und eine Schlange an Wartenden verl\u00e4uft bis fast zum Ausgang. Ich sehe in der Schlange sogar Menschen mit \u201cHoly\u201c-Aufdrucken auf ihren Hoodies. Alle bekloppt geworden!<\/p>\n\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Oldenburg<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Thronfolger und ich treffen uns. Gemeinsam fahren wir mit dem RS30 nach Oldenburg, denn eine getrennte Fahrt w\u00e4re ja albern. Wir wissen kaum etwas \u00fcber diese Stadt und lassen uns fr\u00f6hlich \u00fcberraschen. Wir sehen entspannte Menschen und sp\u00fcren Ackerb\u00fcrger-Vibes. Auf unserer gro\u00dfen Runde kehren wir im \u201cLeuchtturm\u201c, der Gastronomie eines gro\u00dfen Freibades, ein. Das Haus schafft den Spagat zwischen einfachen Freibadpommes und dem \u201cein bisschen was Besonderes\u201c. Ich esse gratinierten Ziegenk\u00e4se auf Rote Beete mit Rucola und bin sehr angetan. Danach Fisch mit Kartoffelsalat. Alles sehr gut (auch wenn der Fisch sicher schon in einer Fabrik in seine Teigh\u00fclle geschl\u00fcpft ist). Das Personal ist sehr freundlich und zuvorkommend.<\/p>\n\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Stadtmuseum lese ich folgende S\u00e4tze:<\/p>\n\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201cOldenburg wurde im 2. Weltkrieg kaum bombardiert und zerst\u00f6rt. Dadurch behielt die Stadt trotz des raschen Wachstums ihren charmanten Charakter als beschauliche Residenzstadt.\u201c Das passt zu 100% auf unseren Eindruck. Oldenburg ist nicht die Stadt, bei deren Erw\u00e4hnung die Leute anerkennend die Augenbraue heben, aber es l\u00e4sst sich hier sicher sehr, sehr gut leben.<\/p>\n\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Oldenburger verehren ihren Graf Anton G\u00fcnther (bodenst\u00e4ndiger Name), der die Stadt aus dem 30j\u00e4hrigen Krieg herausgehalten hat.<\/p>\n\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Bericht eines Zeitzeugen vom Ende des zweiten Weltkrieges ber\u00fchrt mich sehr. Als die kanadischen Truppen vor der Stadt standen, zog sich die Wehrmacht zur gro\u00dfen Erleichterung der Einwohner zur\u00fcck. Kurz nach Mitternacht klingelte im Rathaus das Telefon. Der Zeitzeuge ging ran und am anderen Ende der Leitung war ein kanadischer Offizier, der deutsch sprach. Dieser sagte, dass man die Gesch\u00fctze auf die Stadt ausgerichtet habe. Auf ihre Anfrage nach \u00dcbergabe der Stadt am Nachmittag habe man keine Antwort erhalten. Es sei nun viertel nach null Uhr. Um null Uhr drei\u00dfig w\u00fcrde man das Feuer er\u00f6ffnen. Dem Zeitzeugen rutschte das Herz in die Hose und er sagte, dass man sich doch bereits den Briten ergeben habe. Davon, so der Kanadier, wisse man nichts. Der Beschuss der Stadt konnte abgewendet werden.<\/p>\n\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Thronfolger und ich besuchen noch den botanischen Garten der Universit\u00e4t. Hier ist Gro\u00dfbaustelle, trotzdem kann man den Garten besuchen. Alles ist sehr liebevoll gestaltet und beschildert. Besonders faszinierend finde ich die \u201cAhnenreihen\u201c unserer Kulturpflanzen bis zu ihrer wilden Form. Im Sukkuluentenhaus dann Kakteen. Ich mag das Wort \u201cSukkulenten\u201c (\u201cF\u00fcr uns bitte keine Sahnetorte &#8211; wir sind alles Sukkulenten.\u201c).<\/p>\n\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von botanischen Garten aus laufen wir zu einem kleinen Nebenbahnhof. Wir kommen an einer Restaurantkneipe namens \u201cMephisto\u201c vorbei. Hier sind viele fr\u00f6hliche Menschen. Der Koch oder der Wirt, der drau\u00dfen an einem Grill steht, bittet uns freundlich hinein. W\u00e4re ich noch in Amt und W\u00fcrde, w\u00fcrde ich hier sicher versacken, aber jetzt lehnen wir nur h\u00f6flich ab und gehen weiter.<\/p>\n\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da es so lange bis zur Abfahrt des Zuges nach Bremen dauert, fahren wir einfach mit dem RS30 bis zu seinem Endhalt in Bad Zwischenahn. Dann waren wir hier auch schon mal, auch wenn wir au\u00dfer dem Bahnsteig nicht viel von der Stadt sehen.<\/p>\n\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Bremen hat der Holy-Stand geschlossen. Es liegt Trauer in der Luft. Der Thronfoler kauft im bahnhofsnahen Rewe ein paar Lebensmittel, ich greife zu Paulaner Spezi Zero. In diesem Rewe herrscht immer Partystimmung. Meiner Liste von Jobs, die ich niemals aus\u00fcben m\u00f6chte, f\u00fcge ich diesen Rewe hier hinzu. In Duisburg sind die Leute wenigstens normal bekloppt.<\/p>\n\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An der Stra\u00dfenbahn verabschieden der Thronfolger und ich uns voneinander. Er f\u00e4hrt zu seiner Bude, ich laufe ins Hotel.<\/p>\n\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier springe ich nur noch schnell unter die Dusche und falle dann m\u00fcde auf das Bett. 32.211 Schritte.<\/p>\n\n\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nacht F\u00fcr ein Hotelbett in der ersten Nacht schlafe ich gut. Die Matratze schmiegt den R\u00fccken. Die Ohrenst\u00f6psel blenden Gequake und Gepiepse aus dem Nachbarzimmer aus. Dicke Vorh\u00e4nge verdunkeln das Zimmer zuverl\u00e4ssig. Nur rolle ich schlafend immer wieder kantw\u00e4rts, aber ich wache immer auf, bevor ich aus dem Bett falle. Gurkentr\u00e4ume Die Tr\u00e4ume sind wirr. 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